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Monti mit Regierungsbildung beauftragt: Respektierter Technokrat soll es in Rom richten

zuletzt aktualisiert: 14.11.2011 - 06:55

Rom (RPO). Nun soll es Mario Monti in Italien richten - ein international angesehener Wirtschaftsexperte, der sich durch seine politische Unabhängigkeit breiten Respekt erworben hat. Der Mailänder Wirtschaftsprofessor wurde am Sonntag von Staatspräsident Giorgio Napolitano mit der Regierungsbildung beauftragt.

Ein hartes Stück Arbeit wartet auf Mario Monti. Foto: dapd
Ein hartes Stück Arbeit wartet auf Mario Monti. Foto: dapd

Der designierte Nachfolger des scheidenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi äußerte sich im Anschluss an seine Nominierung zuversichtlich, dass Italien in einem gemeinsamen Kraftakt die Krise überwinden könne.

Es ist eine Karriere im Zeitraffer - nicht zuletzt den aufgeregten Finanzmärkten geschuldet: Erst am Mittwoch wurde Monti von Italiens Staatschef Giorgio Napolitano zum Senator auf Lebenszeit ernannt, tags darauf empfahl der strauchelnde Regierungschef Berlusconi den früheren EU-Kommissar implizit als seinen Nachfolger.

Seither nahmen die Lobreden auf Monti kein Ende. Sie habe „großen Respekt” vor Monti, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Sie habe mit dem Italiener stets „fruchtbare Gespräche” geführt. Der frühere Ministerpräsident und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sagte: „Montis Zeit ist gekommen.” Am Sonntagabend war es soweit.

"Montis Zeit ist gekommen"

Gegensätzlicher als Berlusconi und Monti können Politiker kaum sein: Während der Medienmogul Berlusconi häufiger mit seinen privaten Eskapaden als mit seiner Regierungsführung Schlagzeilen machte, gilt Monti als nüchterner Charakter, höflich - aber bestimmt. Ihm eilt der Ruf voraus, dass Pressionen gleich welcher Art völlig an ihm abprallen.

Monti könnte eine technokratisch geführte Regierung der nationalen Einheit anführen, die Italien aus der politischen und wirtschaftlichen Krise führen soll. In einer seiner wenigen öffentlichen Stellungnahmen der vergangenen Wochen empfahl Monti am 23. September, „unpopuläre Reformen” durchzusetzen, indem „die vernünftigsten Teile” der politischen Parteien zusammenarbeiten.

Unter Berlusconis erstem Kabinett war der parteilose promovierte Wirtschaftswissenschaftler von 1995 bis 1999 EU-Binnenmarktkommissar, unter der linksgerichteten Regierung von Massimo DAlema dann bis 2004 EU-Wettbewerbskommissar. Seitdem trägt er das Siegel eines Unparteiischen.

In Brüssel erwarb sich Monti einen Ruf als Fachmann, der keine Furcht hatte, sich mit Wirtschaftsriesen wie Microsoft und General Electric anzulegen. „Monti schickt einen mit höflichen Worten auf den Scheiterhaufen, wenn er der Meinung ist, dass das gerecht und nötig ist”, verlautete vor Jahren aus seinem Umfeld.

Alles andere als ein "kalter Technokrat"

Doch Monti sei alles andere als ein „kalter Technokrat”, schrieb die Zeitung „Corriere della Sera”, für die Monti auch selbst Kolumnen verfasst, kürzlich. „Er ist ein leidenschaftlicher Italiener”, jemand, der seine persönlichen Interessen zurückstelle und stattdessen „Ideen einbringt”.

Monti verteidigte zudem im Zuge der Krise in den vergangenen Monaten immer wieder den Euro und Italiens Mitgliedschaft in der Währungsunion. Das Land wäre ohne die Gemeinschaftswährung heute inflationsgeplagt und „bedeutungslos”, schrieb er in einer Kolumne.

Monti wurde im März 1943 im norditalienischen Varese geboren und promovierte an der Mailänder Bocconi Universität - dem Sprungbrett für Italiens Wirtschaftselite. Heute ist er Präsident der Hochschule. Der verheiratete zweifache Vater sitzt außerdem in mehreren Aufsichtsräten italienischer Konzerne.

Es wird nicht einfach

Einfach dürfte es für Monti an der Spitze der geplanten Übergangsregierung nicht werden. Doch nicht umsonst erwarb sich der Italiener das Image eines Unbestechlichen und Unerschrockenen. Schon im Jahr 2000 beschrieb der britische „Economist” Monti als „einen der mächtigsten Bürokraten in Europa” und bescheinigte ihm Überzeugungskraft.

In Anspielung auf Montis silbrige Haarpracht setzte das Magazin hinzu, er strahle eine derartige Autorität aus, dass selbst der Haarausfall sich nicht an ihn herangetraut habe.

Quelle: AFP

 
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