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Arbeitskosten in der Europäischen Union
Studie: Deutsche Löhne belasten Europa
Was Investoren an Deutschland schätzen
Was Investoren an Deutschland schätzen FOTO: dapd, Sebastian Willnow
Berlin. Deutschland ist bislang recht gut durch die Euro-Krise gekommen. Die Arbeitslosenzahlen sind niedrig, die Konjunktur brummt. Doch die Löhne sind in den vergangenen Jahren im europäischen Vergleich nur gering gestiegen – und das hat auch Auswirkungen auf Europa, wie eine aktuelle Studie zeigt. Von Dana Schülbe

"Deutschland ist ein Land mit hervorragender internationaler Wettbewerbsfähigkeit", sagt Gustav A. Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung, die den Gewerkschaften nahe steht. Doch das habe auch Kehrseiten.

Horn spricht nicht nur von einer schwachen Binnennachfrage – eine automatische Folge angesichts des Exportschwerpunktes der Bundesrepublik – sondern auch von einer langjährigen relativ schwachen Entwicklung bei den Löhnen. Denn nach der aktuellen Studie der Stiftung sind erst im vergangenen die Löhne hierzulande mit drei Prozent wieder stärker als im EU-Schnitt gestiegen. Der lag bei 2,7 Prozent.

Allerdings habe das in den Jahren 2000 bis zum Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 ganz anders ausgesehen. Zu dieser Zeit seien die Arbeitskosten gerade einmal um 1,8 Prozent gestiegen. Im Durchschnitt der EU seien es sogar 3,6 Prozent gewesen.

Deutschland auf Platz sieben

Die Studie zeigt aber auch, dass die Arbeitskosten in Deutschland (dazu gehören neben den Löhnen unter anderem auch die Arbeitgeberanteile an der Sozialversicherung) im europäischen Vergleich im oberen Bereich rangieren. So lagen sie im vergangenen Jahr im Schnitt bei 30,10 Euro pro Arbeitsstunde. Damit liegt die Bundesrepublik auf Rang sieben. Spitzenreiter des europäischen Rankings ist Belgien mit 39,3 Euro pro Stunde, Schlusslicht Bulgarien mit 3,50 Euro pro Stunde.

Und dennoch bereiten die jahrelang recht gleich gebliebenen Ausgaben der Stiftung Sorgen. Denn sie belasteten auch die anderen Länder in der europäischen Union. Hohe deutsche Exportüberschüsse entständen "auf Pump, auf den Schulden der anderen Länder", sagte Gustav Horn. Diese Leistungsbilanzüberschüsse machten es "schwer, die Krise im Euroraum zu bewältigen", erklärt Horn.

Mit Leistungsbilanzüberschüssen wachsen die Schulden des Auslandes an Deutschland. Dadurch vergrößert sich auch das Risiko, dass aus den Forderungen deutscher Unternehmen gegenüber ausländischen Handelspartnern Verluste entstehen, weil das Ausland seine Schulden nicht mehr zurückzahlen kann.

Die Schuldenstaaten im Süden Europas jedenfalls hätten bereits Maßnahmen ergriffen, um ihre Leistungsbilanzen auszugleichen. So seien unter enormen Belastungen für die Bevölkerung die Lohnstückkosten gesenkt worden. Denn nach der üblichen Theorie müssen diese Kosten sinken, damit das Land an Wettbewerbsfähigkeit gewinne und seine Exporte steigere. Die Lohnstückkosten setzen die Löhne mit dem Bruttoinlandsprodukt ins Verhältnis.

Konsum in Krisenländern schrumpft mit

Dass die Gehälter geschrumpft sind etwa in Spanien oder die Renten gekürzt wurden wie in Griechenland, ist seit Langem den Menschen dort ein Dorn im Auge. Immer wieder gehen sie auf die Straße, um gegen die Maßnahmen zu protestieren. Doch nach der wirtschaftlichen Theorie müssen die dortigen Regierungen genauso agieren, wollen sie wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen.

Dass die Menschen weniger verdienen, hat natürlich auch Auswirkungen auf die Konjunktur im Inneren der Krisenländer. Denn wer kaum noch Geld in der Tasche hat, kauft auch weniger ein. Die Folge: der Konsum in den Krisenländern ist stark geschrumpft, wie auch die Studie der Böckler-Stiftung feststellt.

Entsprechend fordern die Studienmacher, dass auch die Länder mit einem Überschuss etwas tun, um die Leistungsbilanz innerhalb der Eurozone wieder auszugleichen. Da Deutschland den größten Leistungsbilanzüberschuss habe, komme insbesondere auf die Bundesrepublik diese Aufgabe zu. Das Fazit der gewerkschaftsnahen Stiftung: die Löhne müssten deutlicher steigen.

Quelle: das/csi
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