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Toter Junge am Strand von Bodrum
Aylans Familie wollte offenbar nach Kanada

Toter Junge am Strand von Bodrum - Aylans Familie wollte offenbar nach Kanada
Ein Polizist trägt den toten Jungen vom Strand weg. FOTO: Nilüfer Demir/Dogan News Agency/AFP
Ottawa. Ein syrisches Flüchtlingskind, leblos an einem türkischen Strand – die Fotos des kleinen Aylan berühren die Menschen auf der ganzen Welt. Nun wurde bekannt, dass seine Familie offenbar nach Kanada wollte.  Von Dana Schülbe

Die Aufnahmen entstanden in der Nähe des türkischen Badeortes Bodrum. Von dort aus machen sich viele Flüchtlinge aus Syrien oder dem Irak in Schlauchbooten auf den Weg zu den griechischen Inseln. Andere wagen die Flucht über das Mittelmeer. Viele verlieren dabei ihr Leben. Auch deshalb steht das Schicksal des kleinen Aylan stellvertretend für viele andere Flüchtlingskinder.

Weil Europa nicht wegschauen darf, haben auch wir uns entschieden, die Fotos zu zeigen, so schmerzhaft sie auch sind. 

Der Vater des toten Jungen hat seine zwei Söhne und seine Frau bei der Flucht verloren. FOTO: ap

Aylan verlor sein Leben im Alter von drei Jahren. Seine Familie war vergangenes Jahr aus der syrischen Stadt Kobane vor der Terrormiliz IS in die Türkei geflohen. Sie wollten offenbar ein neues Leben in Kanada anfangen, berichtet die Tageszeitung "Ottawa Citizen".

Der Vater habe mit seiner Frau und seinen beiden Kindern zu seiner Schwester gelangen wollen. Nach dem Bericht kenterte das Boot allerdings bei der Überfahrt nach Kos. Aylan, sein Bruder Galip, die Mutter der beiden und acht weitere Flüchtlinge starben. Der Vater mit Namen Abdullah soll überlebt haben.

Der einzige Wunsch des Vaters sei es nun, mit seiner toten Familie ins syrische Kobane zurückzukehren und sie dort zu begraben, zitiert die Zeitung die Familie. Demnach erfuhr Teema, die Schwester des Vaters, die seit 20 Jahren in Vancouver lebt, in einem Telefonat mit einer Verwandten am frühen Morgen von dem Unglück. "Sie bekam einen Anruf von Abdullah, und alles, was er sagte, war: "Meine Frau und meine zwei Jungs sind tot", zitiert "Ottawa Citizen" die Schwester.

Der Familie sei es nicht gelungen, Ausreisevisa in der Türkei zu bekommen, erzählt die Schwester. "Ich habe versucht, sie zu unterstützen (...), aber wir konnten sie nicht da rausbekommen, und deshalb sind sie in das Boot gestiegen."

Diese Bilder zeigen die Situation am Hauptbahnhof in Ungarns Hauptstadt Budapest.

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