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Ungarn bringt Flüchtlinge aus dem Land
"Ab Dienstag wird jeder inhaftiert"

Fotos: Polizei überprüft Flüchtlinge an Grenze zu Österreich
Fotos: Polizei überprüft Flüchtlinge an Grenze zu Österreich FOTO: afp, GS/AG
Szentgotthard. Ungarische Polizisten haben offenbar auch die letzte Lücke im Zaun nach Serbien geschlossen. Die Regierung Orban lässt das Lager bei Röszke räumen. In Bussen werden Tausende Flüchtlinge in Richtung Österreich gebracht. An der Grenze spitzt sich die Lage zu.

Ab Dienstag soll in Ungarn eine neue Grenzregelung gelten. Sie erklärt die illegale Einreise zur Straftat. Parallel schließt Ungarn das letzte Schlupfloch beim Erstaufnahmelager Röszke an der Grenze zu Serbien. Laut Berichten bei Twitter ist der Zaun seit dem Montagnachmittag dicht, erste Flüchtlinge kommen nicht mehr über die Gleise nach Ungarn. 

Der österreichische ORF berichtet unter Berufung auf einen Sprecher der Hilfsorganisation Migration Aid, das Lager in Röszke sei "so gut wie leer". Demnach haben ungarische Behörden bisher rund 8000 Flüchtlinge direkt an die österreichische Grenze gebracht.

"Ab Dienstag wird jeder, der den Zaun überwindet, inhaftiert", heißt es bei der ungarischen Polizei. 175.000 Flüchtlinge sind in diesem Jahr bereits eingereist - damit soll nach dem Willen der rechtsgerichteten ungarischen Regierung Schluss sein. In den vergangenen Tagen herrschte unter Flüchtlingen Torschlusspanik. Verzweifelte Schutzsuchende versuchten, noch vorher nach Ungarn und damit in die EU zu kommen.

Pressestimmen: "Grenzkontrollen ein fatales Signal" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Nach Angaben des UN-Hilfswerks UNHCR schafft die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban Tausende Flüchtlinge direkt von der serbischen Grenze weiter in Richtung Österreich. Die Menschen werden nicht mehr registriert, sagt ein UNHCR-Sprecher. Vom Lager Röszke würden Flüchtlinge in einen Zug mit mindestens 15 Waggons in Richtung Österreich verladen, beobachten Reuters-Reporter.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban forderte seine Polizisten zu einem harten Durchgreifen auf. Bei einer Zeremonie auf dem Heldenplatz in Budapest sagte er vor mehr als 800 Polizisten am Montag, sie müssten "Ungarn und Europa verteidigen" und "unsere Lebensweise" schützen.

Er hoffe, die neuen Maßnahmen würden Ausländer abschrecken, nach Ungarn zu reisen. Ungarn sei ein Land mit einer 1000 Jahre alten christlichen Kultur. Die Ungarn wollten keine weltweite Bewegung von Menschen, die Ungarn verändere.

Österreich kontrolliert seinerseits nun wieder die Grenzübergänge nach Ungarn, wie Innenministerin Johanna Mikl-Leitner sagte. Bei der Bewältigung des Flüchtlingsandrangs soll zudem die österreichische Armee helfen - mit humanitärer Unterstützung im Land, nötigenfalls aber auch an der Grenze, wie die Agentur APA meldete.

Polizeisprecher Gerald Pangl sagte, am Grenzübergang Nickelsdorf von Sonntag bis Montagmorgen mehr als 16000 Menschen gezählt worden. Am Grenzübergang Heiligenkreuz wurden dann am Montag noch einmal bis zu 10 000 Menschen erwartet.

Die Entscheidung, nach Deutschland ebenfalls zu Grenzkontrollen zurückzukehren, begründete Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann damit, ein klares Signal gegen einen "ungeordneten Übergang" über die Grenze geben zu wollen.

Auch die Slowakei und die Niederlande kündigten vorübergehende Kontrollen an. Polen erwägt einen solchen Schritt, sollte die Sicherheit gefährdet sein. Vizekanzler Sigmar Gabriel rechnet inzwischen damit, dass bis zu eine Million Flüchtlinge in diesem Jahr in die Bundesrepublik kommen werden. Für Dienstagabend lud Kanzlerin Angela Merkel die Ministerpräsidenten der Länder zu einem Krisentreffen ein.

(dpa AP AFP Reuters)
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