| 20.18 Uhr

Bewegende Video-Reportage
Reporter fahren auf Flüchtlingsboot mit

Video-Reportage: Reporter fahren auf Flüchtlingsboot mit
FOTO: Dailymotion / France TV info
Lesbos. Eine Nussschale, vollgepackt mit Flüchtlingen, treibt auf dem Mittelmeer. Mit an Bord: verängstigte Männer, Frauen, Kinder und zwei Reporter. Franck Genauzeau und Giona Messina begleiteten Bürgerkriegsflüchtlinge auf ihrem gefährlichen Weg über das Meer. Die Bilder, die die beiden von der Überfahrt gemacht haben, sind bewegend und erschreckend zugleich. Von Tim Harpers

Den Strand, an dem die Odyssee der Flüchtlinge beginnt, hat wohl noch nie ein Tourist betreten. Grobe Kiesel und Treibgut markieren die Stelle, an dem das winzige Boot ablegen soll, mit dem seine Passagiere so viele Hoffnungen verbinden. Es steht für ein Ende des Schreckens und die Aussicht auf ein besseres Leben. Es ist eine Chance, für die so viele Syrer in diesen Wochen ihr Leben riskieren.

Das Gelände ist unwegsam. Die Flüchtlingsgruppe muss einen Trampelpfad zwischen Büschen hinabsteigen, um zu dem kleinen Boot zu kommen, in dem die beiden Reporter Franck Genauzeau und Giona Messina bereits auf sie warten. Ihnen ist gelungen, was in dieser Form noch keinem westlichen Reporter gelungen ist. Sie haben eine Schlepperbande davon überzeugt, sie auf die gefährliche Reise in Richtung Griechenland mitzunehmen. Die Bilder, die die beiden Reporter von der Überfahrt gemacht haben, sind bewegend und erschreckend zugleich.

Nachdem sich die Flüchtlingsgruppe den Abhang hinabgekämpft hat, beginnen die Schieber damit, ihren Kahn zu beladen. Junge Männer, Frauen und Kinder werden dazu gedrängt, endlich an Bord zu gehen. Es ist Abend. Viele Passagiere tragen Schwimmwesten, aber längst nicht alle. Die Anspannung ist beinahe greifbar. Die Blicke der Flüchtlinge sind unstet, ihre Gesten fahrig. Einige Kinder weinen.

Als das Boot endlich ablegt, sind alle Passagiere verängstigt. Einer der Schlepper hatte kurz zuvor in die Luft geschossen, um auch die letzten endlich zum Einsteigen zu bewegen.  Ein Großteil blickt nach vorne. Irgendwo vor dem Bug liegt Lesbos, die EU, das vorläufige Ziel ihrer Odyssee. Es gibt Peace-Zeichen und Gebete. Die Flüchtlinge sind sichtlich um Zuversicht bemüht.

Irgendwann in der Nacht schlägt die Stimmung um. Der Motor ist eben ausgegangen, das Boot treibt antriebslos im Meer – irgendwo vor der griechischen Küste. Es ist dunkel und die Wellen werden immer höher. Genauzeau  beschließt, den Notruf zu wählen. Er hat ein Satellitentelefon dabei und einen GPS-Sender – ein Luxus, den es auf  anderen Passagen nicht gibt. Er versucht seine Mitfahrer zu beruhigen. Hilfe sei unterwegs, versichert er ihnen.

Noch bevor die Küstenwache eintrifft, taucht ein Licht am Horizont auf. Es ist ein kleines Fischerboot. Der griechische Kapitän handelt umgehend und schleppt die Nussschale an Land. Dann folgen Szenen der Erleichterung. Die Flüchtlinge liegen sich in den Armen. Man gibt sich die Hand, drückt sich. Die Kinder können wieder lächeln. Von der Angst, die vor der Reise noch spürbar war, ist nicht mehr viel geblieben. Es wird wieder geweint, doch diesmal sind es Tränen der Freude.

 

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