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Wie die britische Presse zu Camerons Euro-Nein steht
"Wir haben recht bezüglich des Euro"

Die Beschlüsse des EU-Gipfels vom 9. Dezember 2011
Die Beschlüsse des EU-Gipfels vom 9. Dezember 2011 FOTO: dapd, Steffi Loos
London. In Brüssel sagte David Cameron klar Nein zur Änderung der EU-Verträge, nun muss der britische Premier diesbezüglich im heimischen Parlament Rede und Antwort stehen. Und das nach der Attacke seines Vize Nick Clegg. In den englischen Zeitungen dagegen kommt Cameron recht gut davon. Von Dana Schülbe

Nick Clegg passte es offenbar gar nicht, wie Cameron in Brüssel agierte. Am Sonntag sagte er, er sei "bitter enttäuscht" und warnte zugleich vor einer Isolierung Großbritanniens in der EU. Der pro-europäische Koalitinspartner sprach damit laut aus, was im übrigen Europa viele Kommentatoren nach dem EU-Gipfel bereits festgestellt hatten.

Doch ob Clegg damit bei den Bürgern auf offene Ohren stößt, ist fraglich. Zwar gibt es etwa in Schottland und auch in Wales Unmut über die Entscheidung des britischen Premiers, in England aber ist oft zu hören, dass man froh sei, der Euro-Zone nicht beigetreten zu sein. Und die Tagespresse legt sich auch recht eindeutig fest.

"Moralisch und demokratisch bankrott"

So kommentiert etwa der britische "Telegraph", es gebe nur einen Grund, warum Rest-Europa so verärgert sei über Cameron. "Es ist, weil wir nachgewiesen haben, dass wir recht haben bezüglich des Euro." Mehr als 20 Jahre seien britische Minister nach Brüssel gekommen und hätten gesagt, dass sie die Idee eines gemeinsamen Marktes gut heißen, aber dass sie Zweifel gegenüber einer Geld-Union hätten. Denn eine solche funktioniere nur mit einer politischen Union.

Und weiter heißt es in der Zeitung: Die Krise war nicht der Fehler von angelsächsischen Bankern, sondern ein Fehler der Länder der Euro-Zone - angefangen bei Frankreich - die die Maastrich-Regeln nicht befolgt haben. Genau deshalb gebe es keinen Grund, warum sich Cameron einem Projekt verpflichtet fühlen sollte, dass "intellektuell, moralisch und demokratisch bankrott" sei.

Das britische Boulevard-Blatt "The Sun" greift vor allem Clegg an. Unter der Überschrift "Schuft Clegg" kommentiert sie: "Er ist ein zynischer Opportunist, der kein Prinzip auslässt, um sich für eine kurze Zeit einen politischen Vorteil zu verschaffen." Er wolle die Macht, aber er scheue sich davor, Verantwortung für die schwierigen Entscheidungen zu übernehmen, die der grausame Teil einer Regierung seien. "Gestern erklärte Clegg, ein isoliertes Großbritannien sei wie ein Zwerg. Ein Zwerg ist, natürlich, jemand, dem es an Statur fehlt."

"Keine beneidenswerte Situation"

Der "Mirror" verteidigt Cameron ebenfalls indirekt. Es sei eine wenig beneidenswerte Situation, in der sich der Premier befinde, kommentiert das Blatt. Aber es schreibt auch: "Das wichtigste ist jetzt, dass die Vereinbarung der EU-Staaten funktioniert und der Kollaps abgewendet ist. Aber es gibt noch immer keine Garantie dafür."

"The Independent" dagegen hat seine ganz andere Meinung über die Euro-Zone. Der Zeitung geht es vor allem um den Fortbestand der britischen Koalition, die durch Cleggs Kritik angegriffen ist. "Bizzarerweise ist die beste Möglichkeit, wie sie ihre Meinungsverschiedenheiten bereinigen können, wenn die Euro-Zone zusammenbricht, auch wenn das kein Minister laut aussprechen würde." Es hätte den Nebeneffekt, dass das Regieren in Großbritannien leichter wäre und die Position des Königreichs in Europa ein bisschen komfortabler wäre.

Der "Guardian" dagegen schreibt, Cameron versuche allen zu erklären, dass sich das politische Leben auf Eu-Ebene in allen anderen Dingen nicht ändern werde - trotz seines Nein. Nach den Treffen der 26 Staaten werde es Treffen der 27 Staaten geben. Aber sie fragt auch: "Das ist sicherlich eine Fantasie. Sagen wir wirklich, dass 26 Regierungschefs zusammensitzen und sprechen und dann entscheiden - und dann gehen sie den ganzen Prozess nochmal von vorn an, weil sie einem britischen Premier nachgeben?"

Cameron jedenfalls wird das Nein politisch wohl überleben, auch wenn sein Auftritt an diesem Dienstag im Parlament sicherlich heftige Diskussionen auslösen wird. In eine isolierte Position aber hat er sein Land aus europäischer Sicht auf jeden Fall manövriert.

(das/top)
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