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Schuldenkrise in Griechenland
Varoufakis: "Wir haben Fehler gemacht, kein Zweifel"

Porträt: Varoufakis – Medienexperte und Ex-Finanzminister
Porträt: Varoufakis – Medienexperte und Ex-Finanzminister FOTO: dpa, el ase
London. Der ehemalige griechische Finanzminister Giannis Varoufakis war bislang nicht unbedingt für selbstkritisches Auftreten bekannt. Jetzt hat er in einem Interview zugegeben, dass die griechische Regierung, und auch er selbst in der Schuldenkrise Fehler gemacht haben. Von Laura Sandgathe

Es war sein erstes Interview seit seinem Rücktritt als griechischer Finanzminister Anfang des Monats. Und dann überraschte Giannis Varoufakis auch noch mit einem schwerwiegenden Eingeständnis: "Wir haben Fehler gemacht, daran gibt es keinen Zweifel. Und ich denke, ich selbst bin für einige von ihnen verantwortlich", sagte Varoufakis am Montag im Interview mit "CNN"-Reporterin Christiane Amanpour

"Hauptschuld liegt bei den Gläubigern!"

Doch unmittelbar nach diesem Schuldeingeständnis schwenkte Varoufakis wieder um und erklärte, die Kern-Schuld an der griechischen Misere liege bei den internationalen Gläubigern. "Die mächtige Troika der Gläuber war nicht daran interessiert, eine umsichtige, ehrenvolle und für alle Beteiligten vorteilhafte Vereinbarung zu treffen", sagte Varoufakis. Mit der "Troika" sind der IWF, die EZB und die EU-Kommission gemeint. Der Begriff "Troika" wird mittlerweile nicht mehr gebraucht.

Im Folgenden ging Varoufakis mit seinen Vorwürfen gegen die Gläubiger noch weiter. "Ich bin sicher, dass bald ans Licht kommen wird, dass meine Worte wahr sind: Sie (die Gläubiger, Anm. d. Red.) waren weit mehr daran interessiert, die griechische Regierung bloßzustellen und zu stürzen - oder wenigsten sicherzustellen, dass sie sich selbst stürzt - als an einer Vereinbarung, die garantieren würde, dass sie ihr Geld zurückbekommen".

Verantwortung für die griechische Politik wolle er jetzt nicht mehr übernehmen: "Es ist sehr hart für mich, so gern ich auch wollte, für eine Politik die Verantwortung zu übernehmen, wegen der ich gekündigt habe", sagte Varoufakis in dem Interview.

Varoufakis nennt Gründe seines Rücktritts

Weiter äußerte sich Varoufakis zu den Gründen seines Rücktritts: "Die Menschen haben beim Referendum mit 'Nein' gestimmt. Aber mir wurde in der Nacht des Referendums unweigerlich klar, dass die Regierung zu den Sparvorschlägen dennoch würde 'Ja' sagen müssen", so Varoufakis.

Athen - Schlangen vor den Banken nach Wiedereröffnung FOTO: afp, lg/rma

Für seinen früheren Chef, Alexis Tsipras, zeigte der Politiker Verständnis: "Er hatte die Wahl: Selbstmord oder Exekution", sagte Varoufakis bei CNN.

"Es gab einen Plan B"

Zuvor hatte der US-Topökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman in einem Interview ebenfalls mit CNN erklärt, er sei "enttäuscht von der griechischen Regierung". Krugman hatte sich im Streit um eine Lösung für die Schuldenkrise lange auf die Seite der Griechen geschlagen, nun wendete er sich von ihnen ab.

Varoufakis sagte, er sei in vielen Punkte der gleichen Meinung wie Krugman. Allerdings widersprach er ihm in einem zentralen Punkt: "Es stimmt nicht, dass wir keinen Plan B hatten. Wir hatten einen Plan B. Das Finanzministerium hat ihn entwickelt", sagte Varoufakis.

Der Plan sei nie gewesen, die Eurozone zu verlassen, so Varoufakis weiter. Der Plan sei gewesen, dass die Regierung ihre eigene "Euro-abhängige Währung" einführe - zumindest zeitweise, so Varoufakis. "Dieser Plan B wurde nie umgesetzt. Das war einer der Hauptgründe, warum ich zurückgetreten bin."

(lsa)
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