| 13.26 Uhr

Griechischer Finanzminister
Varoufakis beim Abendessen von Autonomen angegriffen

Yanis Varoufakis wurde Opfer eines Angriffs durch Regierungsgegner
Ganz allein. Gianis Varoufakis sieht sich in Griechenland derzeit Anfeindungen ausgesetzt. FOTO: ap
Athen. Die Unzufriedenheit der Griechen entlädt sich derzeit an Finanzminister Gianis Varoufakis. Nachdem Ministerpräsident Tsipras dem Finanzspezialisten zuletzt sein Vertrauen entzogen hatte, wurde Varoufakis nun Opfer eines Angriffs durch Regierungsgegner.

Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis ist nach eigenen Angaben in einer Athener Taverne von Vermummten beschimpft und angegriffen worden. Auf ihn und seine Frau seien bei dem Vorfall am Dienstagabend Gegenstände geschleudert worden, ohne dass sie getroffen worden wären, teilte Varoufakis am Mittwoch mit. Dies bestätigten auch mehrere Augenzeugen. Alle Parteien im Parlament verurteilten den Zwischenfall.

Varoufakis hatte in einer der Traditionstavernen der Region zu Abend gegessen. Kurz vor Mitternacht hätten ihn zunächst zwei Vermummte aufgefordert, das Lokal zu verlassen, er habe in ihrem Stadtteil Exarchia nichts zu suchen. Das Viertel gilt in der griechischen Hauptstadt als Hochburg der Autonomen-Bewegung. Die Vermummten wollten ihn schlagen, so Varoufakis. Dies habe seine Frau verhindert, "indem sie mich beschützend umarmte", teilte er mit.

Anschließend hätten sich Dutzende Autonome vor der Taverne versammelt. Als er mit seiner Frau nach dem Abendessen mit seinem Motorrad wegfahren wollte, pöbelten sie ihn erneut an. Augenzeugen sagten der Deutschen Presse-Agentur, Varoufakis habe seinen Helm wieder abgenommen und mit den Autonomen geredet. Er habe ihnen gesagt, er habe lange Jahre im Autonomenviertel gelebt und finde die Gegend gut. "Ich habe ihnen gesagt, wenn sie mich schlagen wollen, dann sollen sie es tun. Sie sollen aber hören, was ich sagen möchte", beschrieb Varoufakis selbst die Szene.

Augenzeugen sagten weiter, die Autonomen hätten sich dann beruhigt.
Die Vermummten nahmen die Kapuzen ab und die Schals vom Gesicht. Sie hätten ihm  am Ende des Gesprächs gesagt: "Okay, Du kannst wiederkommen, aber nur, wenn Du kein Politiker mehr bist." Der Zwischenfall war damit beendet und Varoufakis fuhr davon.

Am Morgen wollte Varoufakis das Geschehen nicht mehr kommentieren. Er verwies auf seine schriftliche Erklärung, die mit dem Satz endet: "Egal wie viel Angst Gewaltanwendung einem macht, muss und kann die Antwort weder Rückzug noch Gegengewalt sein." Organisiert sei die ganze Sache nicht gewesen, meinte Varoufakis. Er werde weiterhin keine Polizeieskorte haben, wenn er privat ausgehe.

(ap)
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