"Afrikanische Maßnahmen" im Fall Leuna: Ex-Elf-Chef bestätigt Schmiergeldzahlungen
zuletzt aktualisiert: 06.06.2001 - 16:40Berlin (dpa). Der ehemalige Chef von Elf-Aquitaine, Loik Le Floch-Prigent, hat die Bestechungs-Hintergründe der Leuna-Affäre erläutert und Geldtransfers an Landesregierungen angedeutet. Um die Subventionen zu erhalten, habe der Konzern Anfang der 90er Jahre zu "afrikanischen Maßnahmen"gegriffen.
"Ohne deutsche und europäische Subventionen in Höhe von zwei Milliarden hätten wir die Raffinerie in Sachsen-Anhalt niemals gebaut", sagte Le Floch der Wochenzeitung "Die Zeit". Le Floch- Prigent war in der vergangenen Woche in Paris im Schmiergeldprozess gegen den früheren französische Außenminister Roland Dumas zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.
Im Hinblick auf die Leuna-Affäre sagte er: Um die Subventionen zu erhalten, habe der Konzern Anfang der 90er Jahre in Deutschland "afrikanische Maßnahmen" ergriffen. Auf die Frage, was das bedeute, antwortete Le Floch: "Schmiergeldzahlungen." Sie sollten das Leuna- Geschäft "unterstützen".
Die Empfänger seien unter anderem Gewerkschaften und Politiker gewesen. Le Floch sagte, er habe die Zahlungen für notwendig gehalten, nachdem ein Versuch gescheitert sei, eine Raffinerie in Schwedt zu kaufen. Le Floch äußert im "Zeit-Interview, dass er gegen seine damaligen Konkurrenten wohl nur mit "Lobby- Geldern" erfolgreich gewesen wäre. Konkrete Namen nannte der Manager aber nach der Darstellung des Blattes nicht.
Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) habe das Leuna- Geschäft unterstützt. Aber das allein, so Le Floch, hätte nicht gereicht, um Subventionen von zwei Milliarden Mark zu bekommen und den geplanten Bau zweier Pipelines, die nicht in die Pläne von Elf passten, zu verhindern. Auf die Frage, ob dabei auch Länderregierungen mit "Lobby-Maßnahmen" überzeugt worden seien, antwortete Le Floch: "Absolut."
Der Bundestags-Untersuchungsausschuss bemüht sich bereits, Le Floch-Prigent, aber auch andere Manager zu vernehmen. Einer von ihnen hatte vor längerem berichtet, dass auch die CDU Empfänger von Geldern gewesen sei.
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