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Berlin
Exporte nach Russland um fast ein Drittel eingebrochen

Berlin. Die Exporte der deutschen Wirtschaft nach Russland sind in den vergangenen anderthalb Jahren stark zurückgegangen. 2014 sanken sie um 6,6 Milliarden Euro oder 18,4 Prozent. Im ersten Halbjahr 2015 betrug der Rückgang 4,8 Milliarden Euro oder 31,5 Prozent. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Allerdings konnte die deutsche Wirtschaft den Daten der Bundesregierung zufolge die Einbrüche im Russlandgeschäft durch Exporte in andere Länder mehr als kompensieren. So wuchsen die Exporte 2014 insgesamt um 40,4 Milliarden Euro oder 3,7 Prozent; im ersten Halbjahr 2015 waren es 38,7 Milliarden Euro oder sieben Prozent.

Die Europäische Union hatte im Frühjahr 2014 wegen der Annexion der Krim und der Destabilisierung der Ukraine Wirtschaftssanktionen gegen Russland beschlossen. Ob und wie sich die Sanktionen auf die Exportzahlen auswirken, konnte die Bundesregierung allerdings nicht genau beziffern. Als "zentralen Faktor" für den Rückgang der deutschen Exporte nach Russland in den Jahren 2014 und 2015 sieht die Bundesregierung ihrer Antwort zufolge "den wirtschaftlichen Abschwung in Russland", der neben strukturellen Schwächen und gewachsenen Kapitalabflüssen vor allem vom niedrigen Ölpreis herrühre. "Die EU-Sanktionen tragen somit zur Fortsetzung eines bereits bestehenden Trends bei, sind aber selbst kein ausschlaggebender Faktor für den zu beobachtenden Exportrückgang."

Linken-Politiker Thomas Lutze warf der Bundesregierung vor, "hinsichtlich der Konsequenzen der eigenen Sanktionen im Dunkeln zu tappen". Die Bundesregierung habe offenbar keine genaue Kenntnis über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland. Dies sei angesichts der proklamierten "Zielgerichtetheit" fatal.

(qua)
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