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Kolumne Hier In Nrw
Fahr'n, fahr'n, fahr'n auf der Rad-Autobahn

Ob eines Tages ein Rad-Schnellweg die Städte Duisburg und Hamm verbindet? Es wäre ein Vorzeigeprojekt erster Güte, doch 180 Millionen Euro sind kein Pappenstiel. Vielleicht geht's eine Nummer kleiner? Von Detlev Hüwel

Sind Sie schon mal mit einem Elektro-Fahrrad gefahren? Das macht großen Spaß und ist so, als ob man ständig Rückenwind hätte. Vielleicht sollte man überhaupt mehr mit dem Rad unterwegs sein. Allerdings sind die Radwege mancherorts derart unterentwickelt, dass man sich gar nicht erst auf den Sattel schwingen mag. Hier bleibt noch eine Menge zu tun für die städtischen Verkehrsplaner.

Zukunftsmusik ist einstweilen auch die Absicht der Landesregierung, Radschnellwege für Elektro- und normale Fahrräder einzurichten. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) schwebt vor allem eine 100 Kilometer lange "Rad-Autobahn" im Ruhrgebiet vor. Die Strecke, die größtenteils an der A 40 entlangführen würde, soll eines Tages Duisburg, Essen und Hamm verbinden. Der Radschnellweg (RS) wäre vier Meter breit und asphaltiert. Es soll möglichst wenig Kreuzungen und nur geringe Steigungen geben; Beleuchtung wäre zumindest in den Städten Standard.

Die Ruhrstrecke (in Essen gibt es bereits ein fünf Kilometer langes Mini-Teilstück) soll 180 Millionen Euro kosten. Sollte NRW eine solch hohe Summe stemmen können (was derzeit stark zu bezweifeln ist), wäre dies in der Tat ein zukunftsweisendes Projekt zur Nahmobilität. Die Verfechter schwärmen bereits von einem "Pilotcharakter mit bundesweiter Strahlkraft". Und ein Beitrag zur Schonung der Umwelt wäre ein solches Vorhaben sicher auch. Angeblich könnte der Revier-RS täglich bis zu 50.000 Autos auf den Straßen überflüssig machen.

Allerdings sollte man sich keinen Illusionen hingeben: Wer täglich um die 20 Kilometer für die einfache Strecke zurücklegen muss, fährt wohl kaum mit dem Rad. Wer will schon abgekämpft und verschwitzt am Arbeitsplatz erscheinen? Auch bei Regen oder an kalten Wintertagen dürfte die Bereitschaft, in die Pedale zu treten, begrenzt sein. Außerdem wenden die Kritiker zu Recht ein, dass sich NRW erst einmal um seine maroden Straßen kümmern solle. In diesem Jahr sind für den Erhalt der Landesstraßen gerade mal 100 Millionen Euro vorgesehen. Nicht gerade berauschend viel. Dennoch wäre es schade, wenn die Idee einer Rad-Schnellbahn versacken würde.

Vielleicht sollte es Rot-Grün erst einmal mit einer kleineren Strecke versuchen und abwarten, wie diese angenommen wird. Bei einem landesweiten Wettbewerb konnte sich vor zwei Jahren auch der Vorschlag für einen 30 Kilometer langen Radschnellweg von Neuss über Düsseldorf nach Langenfeld und Monheim behaupten. Für Machbarkeitsstudien will das Land 13,5 Millionen Euro lockermachen. Mal sehen, was am Ende daraus wird.

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Quelle: RP
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