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Sachsen
Syrischer Flüchtling stoppt Terrorverdächtigen

Fall Dschaber al Bakr: Großeinsatz in Chemnitz
Fall Dschaber al Bakr: Großeinsatz in Chemnitz FOTO: AFP/ LKA Sachsen
Leipzig. Der international gesuchte Terrorverdächtige Dschaber al-Bakr ist in der Nacht in Leipzig festgenommen worden. Ein syrischer Flüchtling machte das möglich. Kanzlerin Angela Merkel hat sich nach der Festnahme bei ihm für den entscheidenden Hinweis an die Polizei bedankt.

Die sächsische Polizei meldete den Zugriff über den Kurznachrichtendienst Twitter. Via Facebook fügte die Polizei hinzu, dass sie Hinweise bekommen hätte, Syrer würden den Tatverdächtigen in einer Leipziger Wohnung festhalten. Einsatzkräfte hätten Al-Bakr daraufhin festgenommen.

"Spiegel Online" berichtete, der mutmaßliche Terrorist habe einen Syrer am Leipziger Hauptbahnhof angesprochen, ob er bei ihm übernachten könne. Der Syrer lud ihn demnach zu sich nach Hause ein. Nachdem er aber von der Großfahndung der Polizei erfahren habe, sei die Polizei informiert worden. Die Polizisten fanden Al-Bakr demnach gefesselt in der Wohnung.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) dankte der Polizei und dem syrischen Flüchtling. Die Polizei habe eine "engagierte und am Ende erfolgreiche Arbeit" geleistet, erklärte er in Dresden. "Ich danke ausdrücklich dem mutigen und verantwortungsbewussten syrischen Mitbürger, der durch den entscheidenden Hinweis und sein Handeln den schnellen Erfolg möglich gemacht hat", fügte er hinzu.

Der als Flüchtling registrierte Mann hatte nach bisherigen Ermittlungen einen Bombenanschlag vorbereitet. Bei einer Anti-Terror-Razzia stellte die Polizei mehrere Hundert Gramm hochexplosiven Sprengstoff sicher, auch ein möglicher Komplize wurde festgenommen.

Bundesweit suchte die Polizei daraufhin mit Hochdruck nach dem Verdächtigen, der Kontakte zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben soll. Die Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen und Flughäfen wurde verschärft.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt nun wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Erwartet wird, dass der Verdächtige noch am Montag in Karlsruhe dem Haftrichter vorgeführt wird. Über mögliche Anschlagsziele wurde nichts bekannt.

Flucht trotz Warnschuss

Ein Polizeieinsatz in Chemnitz war am Samstag erfolglos verlaufen: Dabei war der Mann entkommen. Die Beamten gaben in dem Plattenbauviertel einen Warnschuss ab. Sie sahen den mutmaßlichen Täter, konnten ihn aber nicht fassen. Das Landeskriminalamt wies Vorwürfe zurück, es sei eine Panne passiert. In dem noch nicht geräumten Haus habe man zu Recht Sprengstoff vermutet, sagte ein LKA-Sprecher. "In so einer Situation können wir nicht ins Risiko gehen."

Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR fanden sich in der Chemnitzer Wohnung etwa 500 Gramm bereits gemischten Sprengstoffs und etwa ein weiteres Kilo Chemikalien, die zum Bombenbau geeignet sind. Außerdem habe die Polizei Zünder und Teile, die nach erster Bewertung zur Herstellung von Rohrbomben gedient haben könnten, sichergestellt. Dem Bericht zufolge stand der Syrer offenbar über das Internet in Verbindung mit dem IS, auch über ein mögliches Ziel sei anscheinend bereits diskutiert worden - die Rede war von Berliner Flughäfen.

Ein weiterer Mann wurde in Chemnitz in Gewahrsam genommen und befragt. Er soll Kontakt zu dem gesuchten Syrer gehabt haben, wie die Polizei mitteilte. Das Spezialeinsatzkommando hatte auch hier die Tür aufgesprengt.

Merkel dankt Syrer für Hinweis auf Terrorverdächtigen

Kanzlerin Angela Merkel hat nach der Festnahme des Terrorverdächtigen in Chemnitz dessen Landsmann für den entscheidenden Hinweis an die Polizei gedankt. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte am Montag, Merkel danke den Sicherheitsbehörden für ihre Arbeit. Dank und Anerkennung gelte aber auch dem Mann aus Syrien, der die Polizei über den Aufenthaltsort des Verdächtigen informiert und damit zur Festnahme beigetragen habe.

Die Polizei fasste den 22-jährigen Dschaber Al-Bakr in einer Wohnung in Leipzig. Er hatte am Hauptbahnhof einen Landsmann angesprochen und gefragt, ob er bei ihm schlafen könne. Der Syrer lud Al-Bakr zu sich ein, überwältigte ihn zusammen mit einem Mitbewohner und informierte die Polizei.

(crwo/isw/dpa)
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