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Mytilini
Feuer in Flüchtlingslager auf Lesbos

Brand in Flüchtlingslager Moria auf Lesbos
Brand in Flüchtlingslager Moria auf Lesbos FOTO: ap, TS
Mytilini. Hunderte Menschen sind obdachlos. Die Lage war schon lange angespannt.

Nach dem Großbrand im Lager Moria auf der Insel Lesbos steht die griechische Regierung vor den Trümmern ihrer Flüchtlingspolitik. Weil es in den völlig überfüllten Flüchtlingsunterkünften immer wieder Unruhen gegeben hatte, kam für viele Beobachter die Katastrophe von Lesbos nicht unerwartet. "Wir haben seit Langem vor einer drohenden Eskalation gewarnt", sagte der Journalist Giannis Sinanis, Herausgeber der Online-Zeitung "Lesvos News", im griechischen Fernsehsender Skai. Auch Spyros Galinos, der Bürgermeister von Lesbos, ist nicht überrascht: "Angesichts der Überfüllung war es nur eine Frage der Zeit, bis das passiert."

Am Tag nach dem verheerenden Großbrand glich das Flüchtlingslager von Moria einem Schlachtfeld. Löschwasser und Asche hatten den Boden in eine schwarze Schlammwüste verwandelt. Flüchtlinge stocherten in den Resten der Unterkünfte nach Habseligkeiten. Das Lager ist für 1500 Menschen ausgelegt, beherbergt aber rund 3000 Bewohner. Seit Montagmorgen hatte sich die Lage zugespitzt. Im Dorf Moria forderten etwa 500 Einwohner mit einem Demonstrationszug eine Umverteilung der Flüchtlinge auf andere Landesteile. Im Lager verbreiteten sich derweil Gerüchte, wonach Massenabschiebungen in die Türkei unmittelbar bevorstünden. Die Situation eskalierte - aufgebrachte Migranten steckten Müllcontainer, Zelte und einen Olivenhain in Brand. Verzweifelte Menschen flohen vor den Flammen auf die umliegenden Felder. Erst um Mitternacht gelang es, die Flammen zu löschen. Die Bilanz: Rund zwei Drittel der Unterkünfte sind abgebrannt, Hunderte Menschen obdachlos. Wie durch ein Wunder wurde offenbar niemand ernstlich verletzt.

(höh)
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