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Berlin
Flüchtlinge treiben Arbeitslosigkeit

Berlin. Die Zahl der Erwerbslosen soll 2017 erstmals seit Jahren wieder leicht steigen. Von Birgit Marschall

Die Bundesregierung rechnet 2017 infolge der Flüchtlingskrise erstmals seit Jahren wieder mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosenzahl: Sie werde um 110.000 auf einen Jahresschnitt von 2,86 Millionen steigen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (BA) geht von ähnlichen Zahlen aus, wies aber darauf hin, dass bereits der ursprünglich für 2016 erwartete Anstieg ausgeblieben sei. Dies könne wegen der guten Verfassung des Arbeitsmarktes auch 2017 wieder der Fall sein - trotz der deutlich gestiegenen Anerkennungszahlen bei den Asylbewerbern.

Die Regierungsprognose stammt aus dem April. Im Oktober will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine neue Vorhersage vorlegen. Sie wird dann Grundlage der Steuerschätzung sein.

Anerkannte Asylbewerber gehen über ins Hartz-IV-System und erhalten das Arbeitslosengeld II. Die überwiegende Mehrheit verfügt noch nicht über die nötigen Deutschkenntnisse. Auch berufliche Qualifikationen müssen die meisten noch erwerben, bevor sie in einen Job oder in eine Lehrstelle vermittelt werden können. Experten gehen von fünf bis sieben Jahren aus, bis ein nennenswerter Teil der vor allem 2015 ins Land gekommenen Migranten vermittelbar wird.

Aktuell hat die BA rund 340.000 arbeitsuchende Flüchtlinge in ihren Büchern. Davon sind allerdings nur 140.000 als Arbeitslose registriert, weil ein Großteil der Migranten Schulungsmaßnahmen durchläuft. Im kommenden Jahr dürften sich beide Zahlen verdoppeln. "Die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge steigt derzeit monatlich in 10.000er-Schritten", hatte BA-Vorstandsmitglied Detlef Scheele unlängst erklärt. Für die kommenden Monate schloss die BA auch eine stärkere Zunahme nicht aus, weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Fortschritte bei der Bearbeitung von Asylanträgen mache.

(mar)
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