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Kairo/Paris
Flugzeugabsturz im Mittelmeer gibt weiter Rätsel auf

Kairo/Paris. Noch immer gibt es keine Hinweise auf die Absturzursache. Fest steht nur, dass der Jet kurz zuvor scharfe Kurven flog. Von Reinhard Kowalewsky

Nach dem Absturz des Fluges Egypt Air MS804 auf der Reise von Paris nach Kairo warten Experten und Öffentlichkeit darauf, dass möglichst bald die sogenannte "Blackbox" des Flugzeuges gefunden wird. Denn die Details der Katastrophe sind in vielen Details noch unklar. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist über den Absturz bekannt?

Der Pilot hatte sich gemeldet, als er den griechischen Luftraum durchquerte. Dann hielt er den zweistrahligen Airbus A320 konstant auf der Reiseflughöhe von gut 11.000 Meter (37.000 Fuß). Die griechische Luftüberwachung registrierte dann, dass der Jet zuerst eine Drehung von 90 Grad nach links und danach in eine andere Drehung nach rechts machte, um dann auf 15.000 Fuß schnell abzusinken. Danach gab es keinen Radarkontakt mehr. Die Bordelektronik des Fliegers soll wenige Minuten vor dem Absturz Rauch registriert und eine entsprechende Meldung über ein satellitengestütztes Kommunikationssystem abgesetzt haben. Welche Absturzursachen sind denkbar? Ägyptische Behörden vermuten einen Terroranschlag. Rein politisch hätte dies eine gewisse Logik: In Ägypten werden radikale Muslime von der Militärregierung bekämpft, Frankreich ist am Feldzug gegen die Terrororganisation IS beteiligt und hat bereits mehrere schwere Attentate fanatischer Muslime mit vielen Toten erlebt. Ob es sich um einen Anschlag handelte, ist aber Spekulation: Am wahrscheinlichsten ist, dass eine Bombe an Bord geschmuggelt wurde. Denkbar wäre auch, dass ein Terrorist sich trotz der verriegelten Türen Zugang zum Cockpit verschaffte oder dass einer der Piloten die Maschine gezielt zum Absturz brachte: Für diese zwei Varianten spricht der ungewöhnliche Flugverlauf vor dem Absturz

. Kann auch ein rein technischer Defekt die Ursache gewesen sein? Ja, das wäre denkbar, wenn die Bordelektronik trotz mehrerer Sicherheitssysteme ausfällt oder wenn das Leitwerk oder ein anderes wichtiges Teil zerstört wäre. Wird der Fund der Blackbox Klarheit bringen? Davon ist auszugehen. Ein Flugschreiber - auch Blackbox genannt - liefert Ermittlern wichtige Informationen zur Aufklärung von Flugunfällen. Er besteht aus dem Datenrekorder (Flight Data Recorder, FDR) und dem Stimmenrekorder (Cockpit Voice Recorder, CVR). Häufig ist die Blackbox in der Signalfarbe Orange gehalten. Das Gehäuse übersteht Abstürze aus großer Höhe und ist absolut wasserdicht. Zur schnellen Lokalisierung von im Wasser versunkenen Geräten besitzt jeder Flugrekorder einen Unterwasser-Peilsender - er kann also im Mittelmeer gefunden werden. Allerdings ist das östliche Mittelmeer bei der vermuteten Absturzgegend bis zu 4500 Meter tief - eine Bergung könnte schwer werden. Welche Infos würde es geben? Auf dem Stimmenrekorder sind Tonaufnahmen der Gespräche von Pilot und Co-Pilot sowie weitere Geräusche im Cockpit gespeichert. Der zusätzliche Datenrekorder zeichnet auf allen Flügen unter anderem die Daten der Triebwerke und der Ruder sowie Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe oder Neigungswinkel der Maschine auf. Er speichert GPS-Daten und gibt so Auskunft über den genauen Ort eines Unglücks - auch wenn die Trümmer später weit verstreut sind. Bei welchem Absturz brachte eine Blackbox besonders dramatische Erkenntnisse? Die Auswertung des Flugschreibers von Germanwings 9525 brachte die Information, dass Kopilot Andreas Lubitz den Jet gezielt zum Absturz gebracht hatte. Den Angehörigen der Opfer wurde der genaue Flugverlauf der Maschine vor der Katastrophe gezeigt. Sie konnten vom Band mithören, wie Lubitz geatmet hatte, während er die Maschine gegen einen Berg lenkte.

Quelle: RP
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