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Calais
Auf Kampagne in Calais

François Hollande auf Kampagne in Calais
FOTO: ap, MS BC
Calais. Frankreichs Präsident Hollande hat zum ersten Mal in seiner Amtszeit den "Dschungel" besucht. Von Christine Longin

Es war ein straff durchorganisierter und streng abgeschirmter Besuch, den François Hollande Calais abstattete. Viereinhalb Jahre lang hatte der Präsident sich nicht in der Stadt am Ärmelkanal gezeigt, die weltweit zum Symbol für das Versagen der französischen Flüchtlingspolitik geworden ist. Erst die in acht Monaten anstehende Präsidentenwahl brachte den Sozialisten gestern dorthin. Hollande hat zwar seine Kandidatur noch nicht offiziell gemacht, aber kaum einer zweifelt mehr daran. So waren die beiden Reden, die der Staatschef hielt, nicht nur an die Einwohner von Calais, sondern auch an die konservative Opposition gerichtet. "Die Regierung bereitet die Auflösung des Camps vor und wird dabei bis zum Ende gehen", versicherte Hollande vor der Gendarmerie.

Die sozialistische Regierung will das Lager, das auch als "Dschungel" bekannt ist, bis zum Jahresende räumen und die Bewohner auf Aufnahmezentren im Land verteilen. Laut Hilfsorganisationen leben in Calais bis zu 10.000 Flüchtlinge unter unwürdigen Bedingungen. Die konservative Opposition wehrt sich ebenso wie der rechtspopulistische Front National (FN) gegen eine Umverteilung und warnt vor "Mini-Calais" in ganz Frankreich. "Wir werden nicht überall neue Lager schaffen, um ein Camp von 7000 Menschen zu zerschlagen", so Hollande. Es handele sich vielmehr um Zentren für bis zu 50 Personen, die dort drei bis vier Monate lang bleiben sollten. "Man muss Sinn für das Menschliche haben", mahnte der Staatschef und zielte damit auf seinen konservativen Rivalen Nicolas Sarkozy, der Calais vergangene Woche besucht hatte. Der Ex-Präsident, der vor einer "Überschwemmung" Frankreichs durch Flüchtlinge warnte, versprach: "Das Problem des ,Dschungels' wird gelöst werden" - und zwar im Fall seiner Wahl noch im Sommer 2017. Sarkozy kritisierte auch die Abwesenheit staatlicher Autorität in Calais - ein Vorwurf, der fast wortgleich auch vom FN kommt. Die Hafenstadt ist eine Bastion des FN, der dort in der ersten Runde der Regionalwahlen im Dezember 49 Prozent der Stimmen bekam. Sarkozy will auch den von ihm selbst als damaligem Innenminister ausgehandelten Vertrag von Le Touquet mit Großbritannien aufkündigen, der Frankreich die Kontrolle der britischen Außengrenze allein überlässt.

Quelle: RP
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