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Paris
Frauen planten Anschlag in Paris

Paris. Sie wollten offenbar mit einem Auto voller Gasflaschen Bahnhöfe angreifen. Ihr Plan scheiterte in letzter Minute. Von Christine Longin

Ein mit Gasflaschen gefülltes Auto in der Nähe der Pariser Kathedrale Notre-Dame und ein zu allem entschlossenes Frauenkommando: Frankreich ist einem weiteren Anschlag nur knapp entgangen. In einem "Wettlauf mit der Zeit" habe die Polizei am Donnerstagabend drei Extremistinnen festgenommen, "die wahrscheinlich neue, gewaltsame Aktionen vorbereiteten, die kurz bevorstanden", sagte Innenminister Bernard Cazeneuve gestern. Noch deutlicher wurde Staatschef François Hollande, der von einem vereitelten Anschlag sprach. "Eine Gruppe wurde zerschlagen, aber es gibt andere", sagte Hollande bei einem Besuch zum Südeuropa-Gipfel in Athen.

Die drei Frauen zwischen 19 und 39 Jahren planten Angriffe auf Bahnhöfe, vor allem auf den Pariser Gare de Lyon, berichtete der Radiosender RTL unter Berufung auf Polizeikreise. Der Gare de Lyon ist nur gut zwei Kilometer von Notre-Dame entfernt, die das Kommando offenbar auch im Visier hatte. Am Wochenende war in der Rue de la Bûcherie in der Umgebung der Kathedrale ein dunkelgrauer Peugeot 607 mit fünf gefüllten Gasflaschen entdeckt worden. Das Auto ohne Nummernschild war mit Warnblinklicht dort abgestellt worden. Die Frauen wollten das Fahrzeug offenbar in die Luft sprengen, sollen sich dann aber gestritten haben und geflohen sein.

Der Besitzer signalisierte der Polizei das Verschwinden einer seiner Töchter, die den Geheimdiensten wegen Ausreiseplänen nach Syrien bekannt war und einen Sicherheitsvermerk trug. Beamte des Inlandsgeheimdienstes DGSI warteten deshalb vor einem Haus in Boussy-Saint-Antoine südlich von Paris, wo Inès M. sich mit ihren beiden Komplizinnen aufhielt. Als die drei Frauen das Haus verließen, um zur Tat zu schreiten, griff Inès M. einen Geheimdienstagenten an und verletzte ihn mit dem Messer. Die Beamten schossen der jungen Frau daraufhin ins Bein. "Sie rief mit einer Kinderstimme Allahu akbar", zitierte der Fernsehsender BFMTV Augenzeugen.

In der Wohnung fanden die Ermittler Hinweise darauf, dass die drei Frauen den getöteten Sprecher der Terrororganisation Islamischer Staat, Abu Mohammed el Adnani, rächen wollten. Adnani hatte zu Angriffen auf Franzosen mit allen Mitteln aufgerufen. Der hochrangige Terrorist des IS war in der vergangenen Woche bei einem Luftangriff umgekommen. Sowohl die USA als auch Russland beanspruchten die Tat für sich.

"Frankreich ist einer nie da gewesenen Bedrohung ausgesetzt, die viele Formen hat", sagte Innenminister Cazeneuve. Insgesamt nahm die Polizei im Zusammenhang mit dem Fund der Gasflaschen acht Menschen in Gewahrsam. Sie sollen Verbindungen zu Hayat Boumeddienne, der Witwe des Attentäters Amedy Coulibaly (Geiselnehmer beim Charlie-Hebdo-Anschlag), und Larossi Abballa, dem Angreifer auf ein Polizistenpaar im Juli, gehabt haben. Inès M. selbst soll den Eid auf den IS geschworen und ihre Aufträge aus dem IS-Kampfgebiet erhalten haben.

Nach den Niederlagen des IS in Syrien und dem Irak fürchtet Frankreich die Rückkehr radikalisierter Kämpfer. Der Pariser Staatsanwalt François Molins, der sich am gesternabend zu den Festnahmen äußern sollte, hatte erst vor einer Woche vor einem "hohen Terrorrisiko" gewarnt. "Wenn die Terrororganisationen im Kampfgebiet Schwierigkeiten haben, suchen sie nach einer Gelegenheit, woanders Anschläge zu verüben", sagte Molins der Zeitung "Le Monde". Er sprach von "einer neuen Form der Angriffe", die darin bestehe, Sprengsätze in einer Menschenmenge zu deponieren und dann zur Explosion zu bringen. Eine ähnliche Warnung hatte bereits Inlandsgeheimdienstchef Patrick Calvar im Frühjahr ausgesprochen.

Quelle: RP
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