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Berlin
Frauen sollen Männerlöhne erfahren

Berlin. Im Kanzleramt rangen die Koalitionsspitzen gestern um die Entgeltgleichheit. Von Birgit Marschall / Eva Quadbeck

Beim Thema Lohngleichheit für Männer und Frauen gab es vor der Sitzung des Koalitionsausschusses gestern Abend das Signal der Union: Wir machen, was im Koalitionsvertrag steht - mehr nicht. Demnach können sich Frauen in Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten künftig bei ihrem Arbeitgeber erkundigen, was die männlichen Kollegen in vergleichbarer Position verdienen. Die Firmen sollen zudem zur Transparenz in ihren Lageberichten verpflichtet werden, wie es um Frauenförderung und Entgeltgleichheit steht. Auch die Tarifpartner sind gefragt, da ungleiche Löhne auch in den Branchen verankert sind.

Nach Daten des Bundesarbeitsministeriums liegt die Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttoverdiensten von Männern und Frauen aktuell bei 21,6 Prozent. Zieht man Faktoren wie Branche, Hierarchie oder Teilzeitbeschäftigung ab, bleibt bei vergleichbaren Qualifikationen noch eine unerklärte Lohnlücke von sieben Prozent.

Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) schießt mit dem Gesetzentwurf aus Sicht der Union übers Ziel hinaus. Auch die Wirtschaft ist dagegen: "Fast die gesamten Lohnunterschiede resultieren aus familienbedingten Auszeiten und Teilzeittätigkeiten sowie dem unterschiedlichen Berufswahlverhalten", sagte DIHK-Chef Eric Schweitzer. "Das Gesetzesvorhaben geht wissentlich an diesen Kernthemen vorbei und zielt mit großem bürokratischen Aufwand auf Nebenschauplätze." Frauen sollten mehr verdienen, indem sie etwa Berufe mit besserer Bezahlung auswählten, sagte Arbeitgeberchef Ingo Kramer. "Die Beamtenpläne des Bundesfamilienministeriums verpassen diese Chance, indem sie mit einem bürokratischen Placebo hantieren. Eingriffe in die Tarifautonomie und neue Bürokratie werden Haltungen nicht verändern."

(mar/qua)
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