Rechtsextreme Szene wird durch andere attraktiv: Freunde locken in den braunen Sumpf
zuletzt aktualisiert: 24.05.2003 - 12:49Düsseldorf (rpo). Der Rechtsextremismus lebt vom Mitläufertum. So lässt sich das Ergebnis einer Studie des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, die das Innenministerium am Samstag in Düsseldorf vorgelegt hat, zusammenfassen. Mehr als die Hälfte der jungen Rechtsextremisten kommt über Mitschüler und Freunde in Kontakt mit der rechtsextremen Szene.
Auch rechtsextremistische Musik, Skinhead-Konzerte, Werbematerial oder Verwandte ziehen junge Menschen häufig in den braunen Sumpf. Persönliche Probleme, mit denen sich Rechtsextremisten im täglichen Leben konfrontiert sähen, nähmen mit der Dauer der Zugehörigkeit zur Szene zu, hieß es. Sie erhöhen nach Einschätzung des Verfassungsschutzes die Bereitschaft, der Szene den Rücken zu kehren. Das Innenministerium setze daher auf den langfristigen Nutzen von gesellschaftsübergreifenden Initiativen, Programmen und Projekten gegen den Rechtsextremismus. "Gerade die Vielfalt und Beharrlichkeit dieser Aktivitäten ist es, die ihre Wirksamkeit ausmachen, sagte Innenminister Fritz Behrens (SPD).
"Schwierige soziale Verhältnisse, die gemeinhin als typische Herkunft eines Rechtsextremisten oder als begünstigend für einen Einstieg in die rechtsextremistische Szene angesehen werden, sind nach der Studie nicht die Regel", erklärte der Minister. Ein durch Scheidung, Alkohol oder Gewalterfahrung belastetes familiäres Umfeld sei bei der Untersuchung ebenso festgestellt worden wie intakte Familienverhältnisse.
Die Studie basiert auf einer Befragung von 56 Skinheads und Neonazis sowie 20 potenziellen Aussteigern aus der rechtsextermistischen Szene. 73 Prozent der befragten Neonazis und Skins waren nicht älter als 21 Jahre, 70 Prozent hatten einen Schulabschluss, 63 Prozent befanden sich in der Berufsausbildung oder hatten diese bereits abgeschlossen und 65 Prozent waren berufstätig. Anders sieht das Bild nach Angaben des Innenministeriums aus bei denjenigen, die im Aussteigerprogramm betreut wurden: Von ihnen waren 85 Prozent älter als 21 Jahre und sie hatten zu 65 Prozent einen Schulabschluss. Lediglich 35 Prozent von ihnen hatten eine Berufsausbildung begonnen oder bereits angeschlossen und nur 35 Prozent waren berufstätig.
Obwohl unter den Rechtsextremisten oft junge, eher gering qualifizierte und häufig arbeitslose Männer waren, stellten diese Merkmale nur einzelne Aspekte des Gesamtbildes dar und seien nicht die Regel, hieß es. Gerade Arbeitslosigkeit sei nicht der alleine entscheidende Grund für einen Einstieg in die rechtsextremistische Szene.
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