Ermittlungen wegen illegalen Drogenbesitzes: Friedman sagt Israelreise ab
zuletzt aktualisiert: 06.07.2003 - 15:50Berlin (rpo). Michel Friedman reist Mitte Juli nicht nach Israel. Der Vize-Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland hat seine Teilnahme an der Reise seiner Organisation abgesagt. Gegen Friedman wird wegen illegalen Drogenbesitzes ermittelt.
Die Absage bestätigte Zentralrats-Präsident Paul Spiegel der "Bild am Sonntag". "Ich bedauere die gesamte Situation. Ich verstehe aber Friedmans Entscheidung", sagte Spiegel. Unterdessen will Friedman nach einem Bericht des Magazins "Focus" an seinem Frankfurter Anwalt festhalten. Die Kanzlei hatte einen mehrseitigen Bericht mit Ermittlungsergebnissen der Staatsanwaltschaft irrtümlich an einen Pizzabäcker weitergefaxt.
Prominente Juden haben die Berichterstattung über das Drogen- Verfahren gegen Friedman als weitgehend fair bezeichnet. Der ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Andreas Nachama, und der grüne Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit sehen hinter der Affäre keinen Antisemitismus. Im "Tagesspiegel" (Samstag) stellten sie sich hinter Paul Spiegel, der sich ähnlich geäußert hatte. Der Ton, in dem manche die Debatte führten, zeige vielmehr, dass sich bestimmte Kreise "am Schicksal einer einzelnen leuchtenden Figur" berauschten, sagte Cohn-Bendit.
Auch nach Ansicht des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und Präsidiumsmitglied im Zentralrat, Salomon Korn, haben die Medien über die Friedman-Ermittlungen im Großen und Ganzen sachlich und fair berichtet. Korn sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag), zwar sei hier und da Schadenfreude und Häme zu erkennen. Sie richte sich aber nicht gegen das Judentum Friedmans, sondern allein gegen die Person.
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