Rede beim Ökumenischen Lippischen: Friedman warnt vor Gewöhnung an Gewalt gegen Minderheiten
zuletzt aktualisiert: 17.06.2000 - 14:23Bad Salzuflen (dpa). Der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Michel Friedman, hat vor der Gewöhnung an Gewalt gegen Minderheiten gewarnt. "Es darf keine Toleranz gegenüber Intoleranz geben", sagte er beim Ökumenischen Lippischen Kirchentag am Samstag in Bad Salzuflen.
Friedman rief dazu auf, "so wach, so engagiert und so deutlich" zu sein wie vor Jahren, als in Solingen und Mölln Brandanschläge auf Ausländer verübt worden seien.
Heute dagegen würden Meldungen über derartige Gewalt "eher beiläufig" zur Kenntnis genommen. Er erwarte von verantwortlichen Politikern, dass sie ihrer Verantwortung auch gerecht würden, sagte Friedman. Durch Sprüche wie "das Boot ist voll" werde der Gewalt gegen Ausländer der Weg geebnet. Eine Ausgrenzung von Minderheiten schade letztlich allen: "Wir lösen Probleme nie, wenn wir sie auf Kosten anderer Menschen lösen wollen."
Friedman kritisierte auch die Kirchen, deren "organisierter Antijudaismus 2 000 Jahre lang den Hass der Christen gegen die Juden geschürt" habe. Es sei eine der wichtigsten zivilisatorischen Herausforderungen, nach dem beispiellosen Verbrechen des Holocaust für die Annäherung von Juden und Christen zu arbeiten.
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