In der israelischen Küstenstadt Netanja: Fünf Tote bei Selbstmordanschlag
zuletzt aktualisiert: 18.05.2001 - 21:16Netanja (rpo). Fünf Menschen sind bei einem Selbstmordanschlag eines Palästinensers in der israelischen Küstenstadt Netanja getötet, 138 Menschen verletzt worden - unter ihnen auch Kinder und ein Baby.
Es war die größte Zahl von Toten bei einem Selbstmordanschlag seit Beginn der Unruhen in den Palästinensergebieten im vergangenen September.
Am Nachmittag eröffneten vermutlich palästinensische Extremisten dann bei Ramallah im Westjordanland das Feuer auf ein Fahrzeug israelischer Siedler. Ein 22-Jähriger war sofort tot, seine Mutter wurde schwer verletzt.
Zu dem Selbstmordanschlag in Netanja bekannte sich die radikalislamische Hamas-Organisation. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon versammelte seinen engsten Ministerkreis zu einer Notstandssitzung, bei dem über weitere Schritte der Regierung entschieden werden sollte. Es wurde davon ausgegangen, dass Israel Vergeltungsmaßnahmen für den Anschlag beschließen wird.
Der palästinensische Kabinettssekretär Tajeb Abdel Rachim sagte in Gaza, die Autonomiebehörde verurteile den "Mord an unschuldigen Zivilisten, Israelis und Palästinenser". Man könne diese neue Eskalation nur durch "Weisheit beenden, nicht durch Bombardements und mehr Töten".
Nach Augenzeugenberichten versuchte der Attentäter, in das Einkaufszentrum "Hascharon" einzudringen, wurde jedoch an der Eingangstür von einem Sicherheitsbeamten angehalten und zurückgestoßen. Dabei explodierte ein sehr großer Sprengsatz, den der Mann in einem Gürtel bei sich trug. Der 20-jährige Täter, Machmud Achmed Marmasch, stammt nach palästinensischen Angaben aus der Autonomiestadt Tulkarem im Westjordanland und gehört dem militärischen Arm von Hamas.
Augenzeugen berichteten, sie seien vor dem Anschlag auf den verdächtig wirkenden Attentäter aufmerksam geworden und hätten die Polizei verständigt. Diese habe aber zu langsam reagiert. Ein Polizeisprecher sagte, ein Einsatzteam sei Minuten nach dem Warnruf vor Ort eingetroffen, habe die Explosion jedoch nicht mehr verhindern können. In Netanja nördlich von Tel Aviv ist es in den letzten Monaten immer wieder zu blutigen Anschlägen palästinensischer Extremisten gekommen. Die Stadt liegt unweit der so genannten grünen Grenze zum Westjordanland.
Auch in den Palästinensergebieten setzte sich die Gewalt am Freitag fort. Israel feuerte zwei Raketen auf die Stadt Gaza ab, von denen eine jedoch ins Meer fiel und die andere in unbewohntem Gebiet einschlug. Der Berater von Palästinenserpräsident Arafat, Nabil Abu Rudeineh, bestätigte den Raketenangriff in direkter Nähe von Arafats Hauptquartier in Gaza. Die beiden Raketen seien etwa 200 Meter von der Küste entfernt niedergegangen, sagte er am Freitag in Gaza. Arafat habe sich zu diesem Zeitpunkt in seinem Büro aufgehalten, werde sich aber von "derartigen israelischen Angriffen" nicht einschüchtern lassen.
Am Freitagmorgen hatten palästinensische Rebellen erneut eine jüdischen Siedlung im Gazastreifen mit Mörsergranaten beschossen. Bei dem Angriff auf die Siedlung Gadid wurde niemand verletzt, das Geschoss schlug im Bereich der Treibhäuser ein.
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