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Berlin
Fünfkampf um Platz drei

Berlin. Nach den Kanzlerkandidaten von CDU und SPD richten sich die Augen nun auf die Spitzen von FDP, Grünen, Linken, AfD und CSU. Von Gregor Mayntz

Jede Minute Merkel-Schulz-Duell wurde zur Werbung für den großen TV-Fünfkampf am folgenden Tag. Denn je näher sich die Kanzlerin und der Kanzlerkandidat thematisch waren, desto spannender wurde die Frage, wer denn nach Union und SPD auf Platz drei landen wird. Im Gegensatz zum großen Abstand zwischen Union und SPD ist hier das Rennen absolut offen. Das Abschneiden wird am Ende gleich in mehrfacher Hinsicht bestimmend für Deutschlands Zukunft. Laufen die Koalitionssondierungen nach dem Wahlsonntag erneut auf eine große Koalition hinaus, wird die Wahrnehmung der großen Debatten im Bundestag entscheidend davon abhängen, wer die Opposition anführt: Der Fraktionschef der dritten Kraft antwortet auf die Kanzlerin, macht in der Haushaltsdebatte sogar den Anfang. Und die dritte Kraft stellt in Zeiten großer Koalitionen den Chef des wichtigsten Kontrollgremiums, des Haushaltsausschusses.

Wie gut die Kleinen abschneiden können, kann aber auch die Optionen für die nächste Koalition erweitern. Wenn Merkels Union am Ende noch etwas zulegen kann und die FDP knapp zweistellig wird, reicht es schon für Schwarz-Gelb anstelle einer großen Koalition. Vermag die SPD noch einige Prozentpunkte einzusammeln und legen dann sowohl FDP und Grüne zu, werden sowohl ein rot-gelb-grünes Ampelbündnis als auch eine schwarz-gelb-grüne Jamaika-Koalition möglich. Die Kernaussagen der jüngsten Koalitionsverträge in NRW (CDU plus FDP) und Schleswig-Holstein (CDU plus FDP plus Grüne) markieren sehr deutlich, welche Unterschiede das Rennen um Platz drei für die künftige Bundespolitik bedeuten kann.

Merkel begründete ihre Abneigung gegen ein zweites Duell mit dem Hinweis darauf, dass in Deutschland ja nun der Kanzler nicht direkt gewählt werde. Auch dieses Argument schärft den Blick für die anderen Parteien, die allesamt allerbeste Chancen haben, im nächsten Bundestag zu sitzen und ihre unterschiedlichen Ansätze mehr oder weniger durchzusetzen. Die Merkel-Argumentation schafft zugleich Raum für die CSU, deren Spitzenkandidat Joachim Herrmann beim TV-Fünfkampf am Abend die Chance bekam, für das eigenständige Antreten seiner Partei zur Bundestagswahl zu werben. Er kann außerhalb Bayerns zwar nicht gewählt werden. Doch für das Selbstverständnis und auch das Standing in der gemeinsamen Fraktion ist wichtig, dass die Christsozialen durch ein starkes Abschneiden in Bayern bei einer Hochrechnung der Stimmen auf den Bund mehr als fünf Prozent der Stimmen bekommen: Beim letzten Mal waren es 7,4 Prozent, in früheren Jahren auch schon mal zehn Prozent.

Die jüngsten Sonntagsfragen lassen bei den vier anderen noch alles möglich erscheinen. Die Grünen werden zwischen 6,5 und acht Prozent gehandelt, die FDP und die Linke jeweils zwischen acht und zehn und die AfD zwischen 7 und elf.

Quelle: RP
 
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