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Entwicklungsländer wollen ihre Position verbessern: G-15-Gipfel in Kairo eröffnet

zuletzt aktualisiert: 19.06.2000 - 18:47

Kairo (AP). Die Entwicklungsländer wollen sich ihre Chancen auf dem Weltmarkt gemeinsam erstreiten. Nur zusammen könnten die Länder des Südens die Industriestaaten zu mehr Gerechtigkeit im Welthandel drängen, mahnten Delegierte zu Beginn des G-15-Gipfels am Montag in Kairo. Im Mittelpunkt des zweitägigen Treffen stehen Handelsfragen und die Schuldenkrise. Der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo forderte in seiner Eröffnungsrede eine Lösung für das Schuldenproblem Afrikas. Iran und Kolumbien wurden am Montag als neue Mitglieder aufgenommen. Damit wuchs der 1989 von 15 Staaten gegründete Zusammenschluss auf 19 Mitglieder.

Es müsse einen neuen Dialog zwischen Arm und Reich geben, der sich auf Partnerschaft, Verantwortung und das Bewusstsein der gegenseitigen Abhängigkeit stütze, erklärte der ägyptische Präsident Husni Mubarak bei der Eröffnung des Gipfels. "Wir glauben, dass die Globalisierung zu einem höheren Lebensstandard führen soll", sagte er. Allerdings nehme die wirtschaftliche Ungleichheit auf der Welt zu statt ab. Die Mitgliedsstaaten der G-15, in denen rund ein Drittel der Weltbevölkerung lebt, haben nur einen Weltmarktanteil von etwa zehn Prozent.

Der nigerianische Präsident Obasanjo erklärte in seiner Eröffnungsrede, die Gesellschaften der Entwicklungsländer würden von den Folgen der Globalisierung und der Liberalisierung des Handels überwältigt. Die schwache Wirtschaft, unzureichende Infrastruktur und Kapitalknappheit würden die afrikanischen Staaten einem besonderen Risiko aussetzen. Der Zusammenbruch der Rohstoffpreise habe die Bemühungen der Bauern um eine Steigerung der Produktivität zur Farce werden lassen, erklärte Obasanjo. "Wie sollen wir unsere Menschen davon überzeugen, hart zu arbeiten und mehr zu produzieren, wenn der Wert ihrer Produkte auf dem Weltmarkt nicht mehr so hoch ist wie vor zwanzig Jahren", fragte der nigerianische Präsident.

Besonders machen den afrikanischen Staaten die hohen Auslandsschulden zu schaffen. 1998 erreichten sie Obasanjo zufolge 350 Milliarden Dollar (rund 710 Milliarden Mark/363 Milliarden Euro). Afrikanische Staaten müssten daher fast 40 Prozent ihres jährlichen Haushalts zur Tilgung von Auslandsschulden einsetzen. Obasanjo begrüßte ausdrücklich einzelne Aktivitäten zum Schuldenerlass. Die Regierungen brauchten aber mehr Mittel, um mit Krankheiten und Hunger fertig zu werden.

Der jamaikanische Ministerpräsident Percival J. Patterson bezeichnete die globalisierte Wirtschaft als eine der größten Herausforderungen an die Entwicklungsländer. Ein positiver Aspekt sei allerdings bereits spürbar: "Sie hat uns näher zusammengebracht", sagte Patterson.

Quelle: RPO Archiv

 
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