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Berlin
Gabriel und Schulz loten Chance für Rot-Rot-Grün aus

Berlin. In die Gespräche über ein rot-rot-grünes Bündnis im Bund hat sich die SPD-Spitze eingeschaltet: Überraschend nahm gestern Abend SPD-Chef Sigmar Gabriel an einem Strategietreffen von rund 100 Abgeordneten der drei Fraktionen teil. Die Eingeladenen sprachen im Vorfeld von einer "neuen Qualität" der Gespräche, weil Fraktionsvizes und SPD-Generalsekretärin Katarina Barley teilnehmen sollten. Mit dem SPD-Chef und Vizekanzler Gabriel hatte jedoch keiner gerechnet.

Eine halbe Stunde blieb er und lauschte dem Vortrag des Sozialphilosophen Oskar Negt - Gabriel selbst redete nicht. Teilnehmer deuteten seinen spontanen Besuch als Zeichen dafür, welche Bedeutung er einem rot-rot-grünen Bündnis als vielleicht einzige Kanzleroption für die SPD nach der Bundestagswahl beimisst. Andere zeigten sich verärgert darüber, weil Gabriel so die Aufmerksamkeit auf sich gezogen habe. Doch damit nicht genug: Gabriel wollte sich gestern Abend außerdem in einem Berliner Lokal mit Abgeordneten der Linkspartei und der Grünen treffen, um Chancen für ein Dreierbündnis auszuloten.

Nach diesen Runden trifft sich Linken-Chef Bernd Riexinger heute auch mit EU-Parlamentschef Martin Schulz (SPD) und der Grünen-Fraktionschefin im EU-Parlament, Rebecca Harms, in Brüssel. Schulz gilt als möglicher Kanzlerkandidat, sollte Gabriel nicht antreten. Ihn interessiere, "welche Konzepte Martin Schulz für eine Gerechtigkeitswende in der EU und in Deutschland hat", sagte Riexinger. Neben dem Freihandelsabkommen TTIP könnten Themen wie Rente und Steuern zur Sprache kommen.

Sichtlich nervös reagierte die Union auf die rot-rot-grünen Kontakte. "Das trägt nicht zur Vertrauensbildung in der großen Koalition bei", sagte CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt.

(jd/mar/may-)
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