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Politiker und Überlebende warnen vor Rechtsextremismus: Gedenken an KZ-Befreiung

zuletzt aktualisiert: 16.04.2000 - 17:11

Hamburg (dpa). Überlebende und Politiker haben am Wochenende der Befreiung aus Konzentrationslagern der Nationalsozialisten vor 55 Jahren und des Aufstands im Warschauer Getto im Jahre 1943 gedacht. Die Mahnung zur Erinnerung an die Geschichte, die Warnung vor neuen Gefahren durch den Rechtsextremismus und die Forderung nach Entschädigung der Opfer standen dabei im Vordergrund.

In der polnischen Hauptstadt erinnerten ehemalige Untergrundkämpfer und Mitglieder der jüdischen Gemeinde am Sonntag an den 57. Jahrestag des Aufstandes im Warschauer Getto. Zusammen mit Vertretern des Parlaments und der Regierung legten sie vor dem Denkmal der Gettokämpfer Blumen und Kränze nieder. Der Aufstand hatte am 19. April 1943 begonnen und wurde von den deutschen Besatzern erst am 16. Mai niedergeschlagen. Zu diesem Zeitpunkt sollte das Getto endgültig aufgelöst und die Bewohner in das Vernichtungslager Treblinka deportiert werden. In Warschau hatten vor dem Krieg mehr als 330 000 Juden gelebt, die ein Drittel der Einwohner stellten. Heute gehören der jüdischen Gemeinde nur noch wenige hundert Mitglieder an.

Bei einer Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen haben am Sonntag rund 280 Überlebende der Opfer gedacht. "Beunruhigend ist, dass immer mehr und mehr Intellektuelle und vor allem junge Menschen den Versuch machen, aus einem falschen Schuldgefühl heraus, Geschichte abzustreifen und sich loszusagen", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, bei der Feierstunde.

Die Überlebenden kamen aus 17 Ländern zu der Gedenkstunde der niedersächsischen Landesregierung auf dem ehemaligen KZ-Gelände. Mehr als 50 000 Häftlinge starben in Bergen-Belsen. Der ehemalige Landesrabbiner von Niedersachsen, Zvi Asaria-Helfgott, sprach zu Ehren der Opfer ein Totengebet. Zudem wurde ein "Haus der Stille" übergeben. Das mehr als sieben Meter hohe und begehbare Kunstwerk soll ein Ort des Betens und der Meditation sein.

Auch bei Gedenkfeiern zur Befreiung der beiden Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück warnten ehemalige Häftlinge und Politiker vor der Gefahr des Rechtsextremismus. Daneben wurde daran erinnert, dass viele frühere Inhaftierte aus Osteuropa heute in bitterer Not lebten und für ihre Leiden eine Entschädigung erwarteten. An den Veranstaltungen am Samstag und Sonntag nahmen rund 600 frühere Lagerinsassen teil, davon viele aus dem Ausland.

In Österreich seien inzwischen "Nachfahren des Hitler-Faschismus" an die Macht gelangt, sagte der französische Präsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees, Charles Desirat, am Sonntag. Rechte marschierten schon wieder durch das Brandenburger Tor und träten die Opfer von Krieg und Vernichtung mit Springerstiefeln, sagte Fürstenbergs Bürgermeisterin Gudrun Appel in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

Im KZ Sachsenhausen bei Oranienburg waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200 000 Menschen inhaftiert; Zehntausende wurden umgebracht oder starben an den Folgen der unmenschlichen Haftbedingungen. In Ravensbrück bei Fürstenberg litten zwischen 1939 und 1945 rund 133 000 Frauen und Kinder sowie etwa 20 000 Männer. Auch von ihnen kamen Zehntausende um. Im Frühjahr 1945 hatte die Rote Armee auf ihrem Vormarsch die Lager erreicht und deren Insassen befreit.

Quelle: RPO Archiv

 
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