Drei Haftbefehle nach Jagd auf Afrikaner in Eisenach: Gefährliche Körperverletzung, Volksverhetzung und Beleidigung
zuletzt aktualisiert: 31.07.2000 - 12:16Eisenach (dpa). Nach dem Überfall auf zwei Afrikaner in Eisenach kommen drei der Verdächtigen in Untersuchungshaft. Gegen zwei Bayern und einen Thüringer sei bereits am Sonntag Haftbefehl ergangen, sagte ein Sprecher des Eisenacher Amtsgerichtes am Montag. Ein 17-Jähriger aus Bayern werde in einer Jugendeinrichtung untergebracht. Die drei anderen seien 19 Jahre alt. Ihnen werde gefährliche Körperverletzung, Volksverhetzung und Beleidigung vorgeworfen. Zwei der Verdächtigen hätten im wesentlichen gestanden, zwei bei den Vernehmungen geschwiegen.
Die beiden Asylbewerber aus Togo und Sudan waren am Samstagabend im Eisenacher Bahnhof von einer Gruppe rechtsextremistischer Jugendlicher beschimpft, getreten und durch die Stadt gejagt worden, bis die Polizei einschritt. Die mutmaßlichen Täter sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft bereits der Polizei bekannt. Alkohol habe offenbar keine größere Rolle gespielt.
Die Tatverdächtigen werden zunächst in Thüringen untergebracht. Allerdings muss die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob die Verfahren nach Bayern abgegeben werden. Da es sich nach dem Strafrecht um Jugendliche handle, laufe das Verfahren normalerweise in Wohnortnähe, hieß es.
Wenige Stunden nach dem Überfall auf die Afrikaner lösten Polizeibeamte am Eisenacher Burschenschaftsdenkmal ein Treffen von etwa 50 Rechtsextremen auf und nahm 29 von ihnen fest. Über mögliche Zusammenhänge gibt es bisher keine Angaben. Es sei nicht klar, warum sie sich die Gruppe von insgesamt rund 20 Neonazis im Eisenacher Bahnhof aufgehalten habe, sagte der Sprecher der Mühlhäuser Staatsanwaltschaft. Es gebe Hinweise, dass sie einen Geburtstag feiern wollten.
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