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Istanbul
Gefesselt, geschlagen, vergewaltigt

Istanbul. Menschenrechtler werfen der türkischen Polizei Folter an Putsch-Verdächtigen vor. Von Frank Nordhausen

Die Bilder erinnern fatal an die aus dem US-Foltergefängnis Abu Ghraib im Irak, aber sie stammen aus der Türkei des Jahres 2016. Dutzende Männer liegen mit auf den Rücken gefesselten Händen und Sack über dem Kopf halbnackt auf dem Boden einer Halle. Andere Fotos zeigen blau und blutig geschlagene Häftlinge. In einem Video sieht man Generäle in einer Reihe, die immer wieder ihren Namen und Rang nennen müssen, während Kameras klicken. Sie können sich kaum auf den Beinen halten, ihre Körper und Gesichter sind von Schlägen gezeichnet. Die Bilder kursieren im Internet und werden von jenen Medien verbreitet, die der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP nahestehen.

"Diese Bilder sind schockierend, aber sie zeigen wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs", sagt Emma Sinclair-Webb von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in Istanbul. Seit dem gescheiterten Putsch rollt eine Welle von Massenverhaftungen durch die Türkei. Für den Putschversuch machen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und die Regierung in Ankara die Bewegung des in den USA lebenden Islampredigers Fethullah Gülen verantwortlich, die in der Türkei als Terrororganisation geführt wird.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat erklärt, dass ihr glaubwürdige Hinweise auf Misshandlungen und Folter gegen Verdächtige vorlägen. Das bezieht sich auf die rund 13.000 Verdächtigen, denen Beteiligung am Putschversuch vorgeworfen wird. Gefangene würden von der Polizei in Ankara und Istanbul "in schmerzhaften Positionen über einen Zeitraum von bis zu 48 Stunden" festgehalten.

"Berichte von Misshandlungen inklusive Schlägen und Vergewaltigung in Polizeigewahrsam sind extrem alamierend", sagte Europa-Direktor John Dalhuisen. Die türkische Regierung müsse diese "abscheulichen Praktiken" sofort stoppen und unabhängigen Beobachtern den Zugang zu allen Einrichtungen gewähren, in denen Verdächtige festgehalten werden. Ein türkischer Regierungsvertreter wies die Vorwürfe kategorisch zurück: Vorgegangen werde gegen jene, die während des Putsches "250 Zivilisten kaltblütig ermordet haben".

Verantwortlich für die Amnesty-Angaben ist deren Rechercheur Andrew Gardner, der seit zehn Jahren in Istanbul lebt. "Die jetzigen Vorgänge werfen die Türkei bezüglich der Menschenrechtslage um Jahrzehnte zurück", sagte er unserer Redaktion. Sein Team hat mit Anwälten, Ärzten, Angehörigen von Häftlingen und sogar mit einem Wächter aus einer Hafteinrichtung gesprochen. Die Berichte stimmten überein; es gebe keinen Grund, an ihnen zu zweifeln, sagt Gardner.

Die Folter-Fotos und -berichte stammten vor allem aus drei Massenlagern in der Hauptstadt Ankara - einer Halle und Ställen des Baskent-Sportklubs und einer Sporthalle im Polizeihauptquartier, das die Putschisten am 15. Juli attackiert hätten. "Vor allem die Misshandlung hochrangiger Soldaten wirkt auf mich organisiert und wie eine Rache an den Angreifern", sagt Gardner. 650 bis 800 gefangene Soldaten seien in diesem Polizeizentrum gefangen, die Hälfte sei misshandelt worden, 40 Offiziere so schwer, dass sie nicht mehr laufen könnten. Ein Mann sei mit lebensgefährlichen Wunden ins Krankenhaus gekommen. "Laut unseren Quellen werden die Häftlinge massiv geschlagen, wir haben Berichte über gebrochene Rippen und Wangenknochen und über Vergewaltigungen mit Fingern und Stöcken."

Quelle: RP
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