Spanien: Massenproteste gegen die ETA: Gegendemonstration in San Sebastian
zuletzt aktualisiert: 27.02.2000 - 17:24Vitoria/Pamplona (dpa). Etwa 160 000 Menschen haben am Wochenende in den nordspanischen Städten Vitoria und Pamplona gegen den Terror der Untergrundorganisation ETA protestiert. Zu den Demonstrationen am Samstagabend war nach dem Mordanschlag auf den sozialistischen Politiker Fernando Buesa aufgerufen worden.
In San Sebastian gingen fast gleichzeitig mehrere Tausend Anhänger der ETA-nahen Partei Herri Batasuna (HB/Volksunion) auf die Straße. Sie demonstrierten gegen den «spanischen Faschismus», ließen die ETA hochleben und forderten die Verlegung der rund 400 ETA-Häftlinge in Gefängnisse des Baskenlandes.
Der Friedensmarsch in Vitoria machte die tiefe politische Spaltung im Baskenland deutlich: In zwei Blöcken zogen rund 100 000 Nationalisten und Nicht-Nationalisten getrennt durch die Stadt. Unter dem Motto «Wir brauchen den Frieden - ETA hör auf» wurde das eine Lager von dem Chef der Regionalregierung, dem Nationalisten Juan Jose Ibarretxe, und dem Bruder von Buesa angeführt. Das andere führten die drei Kinder und die Witwe Buesas sowie Politiker der Sozialisten (PSOE) und der konservativen Volkspartei (PP) an. «Es reicht - ETA nein» war deren Losung.
Beide Seiten hatten sich nicht auf ein gemeinsames Motto einigen können. Die Sozialisten warfen Ibarretxe vor, sich nicht deutlich von der ETA zu distanzieren. Während der Demonstration kam es nach Polizeiangaben zu Rangeleien zwischen Teilnehmern beider Gruppen. Bürgerinitiativen kritisierten die Situation als «absurd» und riefen zur Einigkeit auf. Ministerpräsident Jose Maria Aznar forderte die im Baskenland regierenden Nationalisten (PNV) auf, jegliche Zusammenarbeit mit HB zu beenden. «Man kann nur auf der einen oder der anderen Seite stehen», sagte er der Zeitung «El Mundo».
Zu der Kundgebung in Pamplona, der Hauptstadt der Nachbarregion Navarra, hatten Parteien, Gewerkschaften und Bürgerinitiativen aufgerufen. Etwa 60 000 Menschen nahmen daran teil. Für beide Städte waren es die bislang größten Anti-ETA-Proteste ihrer Geschichte. Der 53-jährige Buesa und sein Leibwächter waren am Dienstag bei der Explosion einer Autobombe in Vitoria getötet worden.
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