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Buenos
Geldbündel in der Klosterküche

Buenos. Argentinien wird von einem neuen Korruptionsskandal erschüttert: Die Polizei nimmt einen früheren Staatssekretär fest, während er Scheine und Uhren beiseiteschafft. Für Ex-Präsidentin Kirchner ist die Verhaftung ein harter Schlag. Von Tobias Käufer

Aires Es ist eine Szene wie aus einem Spielfilm: José López stopft mehrere Säcke voll und versucht, sie über die Mauern des Klosters der Heiligen Maria von Fátima zu werfen. Da klicken die Handschellen, und die Beamten, die López eigentlich nur wegen illegalen Waffenbesitzes festnehmen wollen, machen große Augen: In den Säcken befinden sich Bündel von Bargeld sowie Uhren in mehr als 160 Päckchen. Selbst in der Küche des Klosters rund 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Buenos Aires findet die Polizei Geldbündel, ebenso im Kofferraum eines Autos.

Das war am Dienstag. Noch gestern waren die Behörden damit beschäftigt, die enorme Summe an Bargeld zu zählen. "Jetzt sind sie bei neun Millionen Dollar", berichtete Argentiniens größte Tageszeitung "Clarín" im Liveticker.

Alarmiert wurden die Sicherheitskräfte von einem Nachbarn, der einen Mann auf dem Anwesen gesehen hatte, der Tüten auf das Grundstück warf. Die Beamten identifizieren den Mann schließlich als den früheren Sekretär für Öffentliche Beschäftigung, José López. Er war eine Schlüsselfigur des Kabinetts der argentinischen Staatspräsidentin Cristina Fernández de Kirchner.

Kirchner regierte als Nachfolgerin ihres Mannes Néstor von 2007 bis 2015 das südamerikanische Land. Zur Präsidentschaftswahl im Dezember 2015 durfte Kirchner nicht mehr antreten; eine erneute Kandidatur verbot die Verfassung. López hatte das Amt im Range eines Staatssekretärs inne, der über die Vergabe milliardenschwerer Bauaufträge während der Kirchner-Zeit entschied. Ob die Millionen aus dieser Zeit stammen, ist noch ungeklärt. Seine Aussagen werden mit Spannung erwartet.

Der Sicherheitsminister der Provinz Buenos Aires, Cristian Ritondo, sagte, López habe sich bei seiner Festnahme in einem Schockzustand befunden. Er habe erzählt, er habe das Geld den Nonnen im Kloster spenden wollen: "Es gibt Dollar, Yen, Euro und eine Währung aus Katar. Es ist eine Menge Geld."

Für Cristina Kirchner ist die Verhaftung von López ein harter Schlag. Seit Jahren werfen ihr Enthüllungsjournalisten und Ex-Vertraute vor, ein großes Korruptionsnetzwerk aufgebaut zu haben. Tatsächlich ist Kirchner während der Amtszeit ihres inzwischen verstorbenen Mannes (2003-2007) und ihrer eigenen Amtszeit trotz eines eher überschaubaren Gehalts zur Multimillionärin aufgestiegen. Das geht aus der Steuererklärung hervor, die Kirchner laut Gesetz öffentlich machen muss.

Die Kirchners rechtfertigten ihren Reichtum stets mit "glücklichen Investitionen", während im Rest des Landes die Wirtschaft nur eine Richtung kannte: steil nach unten. Allerdings gab es in der Vergangenheit immer wieder schier unglaublich klingende Aussagen ehemaliger Kirchner-Vertrauter, die berichteten, dass im Präsidentenpalast von Buenos Aires säckeweise Geld davongetragen worden sei. "Hirngespinste" und eine "Kampagne" nannte Kirchner die Vorwürfe stets.

"Korruption K" hat die Zeitung "Clarín" inzwischen den Fall López getauft. Der Buchstabe K steht in Argentinien für die Epoche Kirchner. Bislang konnte sich die linksgerichtete Präsidentin stets auf die Justiz im Land verlassen: Sie überstand alle Anklagen. Für Richter oder Staatsanwälte, die sich auf eine Machtprobe mit Kirchner einließen, nahm das oft kein gutes Ende - sie erlebten einen Karriereknick. Die Juristen, die im Sinne Kirchners entschieden, machten dagegen Karriere im Justizapparat.

Seit Dezember aber hat Kirchner nicht mehr die Macht. Mit Staatspräsident Mauricio Macri, dessen Name vor wenigen Wochen im Zuge der Affäre um Offshore-Geschäfte und die Panama Papers genannt wurde, sitzt nun ein Vertreter der langjährigen Opposition im Land an den Schalthebeln der Macht. Und er verspricht: "Wir wollen die Korruption im Land ausmerzen." Inwieweit das nur leere Versprechungen sind oder eine Abrechnung mit dem politischen Gegner wird, muss sich aber erst noch zeigen.

Quelle: RP
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