Bestechlichkeit und dreiste Geldforderungen: Gericht fordert Haft für korrupte Bahn-Manager
zuletzt aktualisiert: 06.12.2000 - 16:08Bochum (dpa). Grenzenlose Gier, Bestechlichkeit und dreiste Geldforderungen am Rande der Erpressung sollen zwei ehemalige Manager der Immobilientochter der Deutschen Bahn mit mehrjährigen Haftstrafen büßen. Alexander May (47), der in den neunziger Jahren als Geschäftsführer an der Spitze der "DB IMMO" gestanden hatte, soll wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe für fünf Jahre und drei Monate in Haft.
Horst Hadergasser (40), der bei DB-Bauprojekten für die technischen Aspekte verantwortlich war, soll mit drei Jahren und drei Monaten Haft bestraft werden. Diesen Schlussantrag stellte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch in ihrem Plädoyer vor der 13. Strafkammer des Landgerichts Bochum. Die Urteile sollen Montag verkündet werden.
Das geständige Bahner-Duo kassierte von 1996 bis 1999 schätzungsweise sieben Millionen DM Schmiergeld von zwei "Baulöwen" aus Heidelberg und dem Frankfurter Raum, die ihren Unternehmen lukrative Verträge mit der Bahn sichern wollten. Mehrere Bestechungsfälle sind allerdings verjährt. Bei den eingeräumten Schmiergeld-Transfers ging es um einen millionenschweren Mietvertrag der DB mit dem Bürokomplex Galluspark in Frankfurt sowie um DB- Bauprojekte in Duisburg, Karlsruhe und Mainz.
Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen bescheinigte May in ihrem Plädoyer "eine unbeschreibliche Geldgier und ein fehlendes Unrechtsbewusstsein". Dem Heidelberger Hadergasser attestierte die Korruptionsjägerin "einen übertriebenen Lebensstil mit Autorennen, Ferrari und Porsche". Die umfangreiche Anklageschrift habe sogar wahrscheinlich nur einen Bruchteil der tatsächlich geflossenen Schmiergeldzahlungen erfasst.
Für einen mitangeklagten Immobilien-Makler (59) aus Königstein bei Frankfurt, der dem Heidelberger "Immobilienzar" Roland Ernst (64) bei der Beschaffung der Schmiergeld-Millionen behilflich gewesen war, beantragte Lichtinghagen eine Bewährungsstrafe von 16 Monaten wegen Beihilfe zur Untreue. Der Prozess gegen den mitangeklagten Projektentwickler Ernst war am Dienstag "geplatzt" und wird 2001 neu aufgerollt, weil das Gericht in seinem Fall noch einen erheblichen Aufklärungsbedarf sieht.
May und Hadergasser - damaliges Jahresgehalt 400 000 DM und 200 000 DM - baten das Gericht in ihren Schlussworten um milde Urteile und eine Chance für die Zukunft. "Ich war geblendet von den Unsummen, die in der Projektentwicklung gezahlt und bewegt werden und wollte daran partizipieren", sagte der Herschinger (Bayern) unter Tränen. "Ich habe selbstverschuldet eine Katastrophe ausgelöst. Acht Monate in einem Gefängnis, das 100 Jahre alt ist, in dem man mit Massenmördern, Süchtigen und Kinderschändern zusammen überleben muss, das prägt einen stark."
Nach den Plädoyers setzte die 13. Strafkammer den Haftbefehl gegen May außer Vollzug. Hadergassers Rechtsanwälte plädierten für eine Bewährungsstrafe.
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