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Nach Abzug aus dem Libanon: Gespannte Ruhe an israelisch-libanesischer Grenze

zuletzt aktualisiert: 26.05.2000 - 16:40

Metulla/Beirut (AP). Die nach dem Abzug aus Südlibanon vielfach befürchteten Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und den Kämpfern der schiitischen Miliz Hisbollah sind erst einmal ausgeblieben. Die Lage an der Grenze war am Freitag zwar gespannt, aber Zwischenfälle wurden keine gemeldet.

Sicherheitshalber wurden in den israelischen Grenzorten Kinder in gepanzerten Bussen zur Schule gebracht. Mitarbeiter der Vereinten Nationen begannen unterdessen damit, in Südlibanon die verlassenen Stellungen und die Entwaffnung der früher mit Israel verbündeten und inzwischen aufgelösten Miliz SLA zu kontrollieren.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak rief die Bevölkerung auf, Israel und Libanon künftig als zwei völlig getrennte Staaten zu betrachten. Barak sagte in einer Sondersitzung des Parlaments: "Mehr als zwei Jahrzehnte lang war Libanon Teil unseres Alltags als Schauplatz militärischer Aktivität. Jetzt gibt es keine Truppen mehr auf libanesischem Gebiet." Zuvor hatte der Ministerpräsident an Libanon appelliert, die Chance zum Frieden zu ergreifen.

An der Grenze waren israelische Soldaten und libanesische Demonstranten stellenweise nur durch einen Zaun getrennt. Aber beide Seiten übten die befohlene Zurückhaltung. So haben die israelischen Soldaten ausdrücklich den Befehl erhalten, nur zu schießen, wenn ihr Leben in Gefahr ist. Die Hisbollah wiederum ermahnte ihre Anhänger, die an der Grenze protestierten, keine Steine zu werfen. Um die Sicherheit in Südlibanon zu verbessern, rückte libanesische Polizei in die Stadt Merdschajun ein. Der UN-Gesandte Terje Roed-Larsen kündigte an, die Menschen würden schon bald viele Soldaten der UN-Friedenstruppen in dem Gebiet sehen. Die Überprüfung der von Israel geräumten Stellungen galt als reine Formsache.

Der syrische Außenminister Faruk Scharaa sagte unterdessen zu, keine Feindseligkeiten an der israelischen Grenze provozieren zu wollen. Nach einem Treffen mit dem portugiesischen Außenminister Jaime Gama sagte er am Donnerstag in Lissabon, auch die Kämpfer der Miliz Hisbollah hätten in der Vergangenheit nur dann Gewalt angewendet, wenn sie von Israel provoziert worden seien. Scharaa war zu einem EU-Treffen mit Israel und seinen arabischen Nachbarn nach Lissabon gereist.

Die Europäische Union forderte Israel und seine arabischen Nachbarn zur Stärkung ihrer Handelsbeziehungen zu Europa und untereinander auf. Die EU, deren Präsidentschaft Portugal zurzeit inne hat, begrüßte in einer Erklärung den israelischen Rückzug als Stärkung für "Versöhnung und Wiederaufbau in der Region". Die EU hoffe, dass die Nahost-Regierungschefs bei einem Gipfeltreffen im November einen Friedens- und Stabilitätspakt unterzeichnen würden. Dieser solle unter anderem Vereinbarungen über vertrauensbildende Maßnahmen wie Vorabinformationen über geplante Manöver enthalten.

Der palästinensische Präsident Jassir Arafat traf unterdessen in Madrid mit dem spanischen König Juan Carlos zu Gesprächen über den Nahost-Friedensprozess zusammen. Wie eine Regierungssprecherin mitteilte, waren später auch Treffen mit Ministerpräsident Jose Maria Aznar und Außenminister Josep Pique geplant.

Quelle: RPO Archiv

 
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