Clement und Behrens entsetzt: "Gewalttätern und Brandstiftern entschlossen entgegentreten"
zuletzt aktualisiert: 03.10.2000 - 19:58Düsseldorf (AP). "Mit Entsetzen und Empörung" haben der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement und sein Innenminister Fritz Behrens (beide SPD) den Brandanschlag auf die Synagoge in Düsseldorf verurteilt, bei dem in der Nacht zum Dienstag geringer Sachschaden entstand. Von einem feigen Akt der Gewalt sprach der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman (CDU).
Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt äußerte sich in Dresden bestürzt über den Versuch offenbar rechtsextremistisch motivierter Täter, den zehnten Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands für ihre Zwecke zu missbrauchen.
Behrens erklärte nach Angaben seines Ministeriums, der Schutz für jüdische Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen sei bereits verstärkt worden. Er wies darauf hin, dass Juden in Düsseldorf innerhalb weniger Wochen zum zweiten Mal von einem Anschlag betroffen seien. Der Bombenanschlag an einer S-Bahn-Haltestelle am 27. Juli, bei dem auch sechs jüdische Zuwanderer aus der Sowjetunion verletzt wurden, sei noch nicht aufgeklärt, aber dieses Mal müsse offensichtlich von einer antisemitischen Motivation ausgegangen werden. Man könne "die braune Gefahr nicht ernst genug nehmen", erklärte Behrens. "Es sind alle Anstrengungen nötig, um rechtsextremen Gewalttätern und Brandstiftern entschlossen und konsequent entgegen zu treten". Clement ergänzte, die Landesregierung sei dazu aber auch auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen. Staatliches Handeln allein reiche nicht.
Der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, verurteilte das Verbrechen. "Wer es verübt hat, wollte gezielt das jüdische Gotteshaus beschädigen und hat in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kommen. Das Geschehen ruft schreckliche Erinnerungen an das dunkelste Kapitel deutscher Vergangenheit wach. Gerade am Tag der deutschen Einheit wollten wir uns doch über ein anderes Deutschland freuen."
"Besorgt über das, was uns noch bevor steht"
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, bezeichnete den Vorgang als "antisemitischen Anschlag der schlimmsten Art". Es sei in letzter Zeit so viel passiert, dass "wir mehr als besorgt sind über das, was uns noch bevor steht", sagte er im MDR. Man habe geglaubt, dass so etwas in Deutschland nicht passieren könne. Es fehle ihm nun der Glaube, "ob es richtig ist, dass Juden in Deutschland leben, ob es richtig war, hier wieder jüdische Gemeinden aufzubauen".
Spiegels Stellvertreter Friedman sagte im Sender berlin aktuell 93,6, der Anschlag mache deutlich, dass der "Antisemitismus in Deutschland immer enthemmter, brutaler und gewalttätiger" werde. Er zeige auch, "dass sich zehn Jahre nach der Vereinigung die Antisemiten und die Neonazis in der Tat vereinigt haben". Die Situation mache deutlich: "Rechtsextremismus und Antisemitismus waren kein Sommerlochthema. Sie begleiten uns im Herbst." Es gelte, allen an solcher Gewalt beteiligten den Kampf anzusagen.
Die stellvertretende Vorsitzende der PDS-Bundestagsfraktion, Petra Pau, erklärte in Berlin: "Wenn in Deutschland Synagogen brennen, sollten alle Glocken Alarm läuten." Der Weg zur Einheit Deutschlands sei noch lang "und die Kluft zwischen Anspruch und Realität groß."
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