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Vizekandidat Lieberman umjubelt: Gore soll das Weiße Haus verteidigen

zuletzt aktualisiert: 17.08.2000 - 15:46

Los Angeles (dpa). Al Gore verteidigt für die Demokratische Partei der USA bei den Wahlen im November das Weiße Haus. Die Delegierten des Parteitages in Los Angeles nominierten den 52 Jahre alten Politiker offiziell zum Präsidentschaftskandidaten. Am Donnerstagabend wurde mit großer Spannung die Antrittsrede erwartet, die den jetzigen Vizepräsidenten aus dem Schatten von Präsident Bill Clinton bringen soll. Sie galt als eine der wichtigsten seiner Karriere.

Vor Gores Nominierung hatte Vize-Kandidat Joseph Lieberman am Mittwochabend (Ortszeit) in der kalifornischen Metropole Beifall umrauscht versprochen, er werde "sein Letztes" für einen Sieg bei der Wahl geben. In den US-Medien wurde die Antrittsrede am Donnerstag als leidenschaftlich, energisch und humorvoll gewertet. Der 58-jährige Senator ist der erste jüdische Politiker in der Geschichte der USA, der für das Amt des Vize-Präsidenten nominiert worden ist. Lieberman selbst zeigte sich glücklich und stolz über Gores Entscheidung für ihn, die er als "mutig" bezeichnete. Gore tritt bei der Wahl am 7. November gegen den Republikaner George Bush an. Bei der Nominierung auf dem Kongress war es der Staat Florida, der Gore über die magische Grenze der 2 170 erforderlichen Stimmen brachte. In Florida ist Bushs jüngerer Bruder Jeb Bush Gouverneur. Gore wurde auf dem Parteitag unter anderem von seiner Tochter Karenna Gore Schiff und dem Schauspieler Tommy Lee Jones, einem alten Studienfreund, offiziell als Spitzenkandidat vorgeschlagen.

Die Zeit sei gekommen, noch verbliebene "Mauern der Diskriminierung" in den USA auf Grund von Rasse, Geschlecht oder sexueller Orientierung einzureißen, sagte Lieberman in seiner Rede. Gore sei der richtige Mann dazu, rief der Senator aus, dessen Frau Hadassah die Tochter von Holocaust-Überlebenden ist. Lieberman versprach, im Fall eines Wahlsieges mit Gore zusammen den Umweltschutz zu verbessern, Familien mittleren Einkommens durch Steuererleichterungen zu entlasten, öffentliche Schulen zu fördern und die Gesundheitsversorgung für die alten Menschen zu verbessern.

Ausdrücklich sprach er sich dafür aus, die Minderheitenförderung etwa in Form liberalerer Zulassungsbestimmungen an Universitäten beizubehalten, diese Regelung aber zu reformieren. Frühere kritische Äußerungen Liebermans über die bisherige Form der Förderung hatten bei afroamerikanischen Demokraten Skepsis über die Eignung des Senatoren als Vize ausgelöst.

Lieberman würdigte Gore in seiner mit vielen Seitenhieben auf die Republikaner gewürzten Rede als Mann der Vision, Werte, der Integrität und des Mutes. Deshalb und wegen seiner Ehrlichkeit und seines Charakters müsse er der nächste US-Präsident werden. Beobachter werteten den ausdrücklichen Hinweis auf den Charakter als Versuch, Gore von Präsident Bill Clinton abzugrenzen. In demokratischen Kreisen war befürchtet worden, die Lewinsky-Affäre könne dem derzeitigen Vize im Wahlkampf schaden.

Die 27-jährige Karenna beschrieb in ihrer Nominierungsrede Al Gore als liebevollen Vater. Die Wahl zum Präsidenten verdiene er aber nicht deshalb, sondern weil er im Weißen Haus Gutes für alle amerikanischen Kinder tun werde.

Quelle: RPO Archiv

 
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