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Athen
Griechen geben Tsipras schlechte Noten

Athen. Ein Jahr nachdem die Griechen bei der vorgezogenen Wahl vom September 2015 Alexis Tsipras mehrheitlich als Ministerpräsidenten bestätigt haben, steckt der Linkspopulist in einem Stimmungstief. Tsipras hat bisher fast keines seiner Wahlversprechen erfüllen können, die Wirtschaft stagniert, den meisten Menschen geht es schlechter als vor einem Jahr.

Seit Januar liegt die konservative Nea Dimokratia (ND) in den meisten Umfragen vorn. Eine in dieser Woche veröffentlichte demoskopische Erhebung der Universität von Thessaloniki im Auftrag des Fernsehsenders Skai TV bestätigt diesen Trend. Danach sind 86,5 Prozent der Befragten unzufrieden mit der Arbeit der Regierung. Lediglich 8,5 Prozent sehen ihr Land mit Tsipras "auf dem richtigen Weg". Selbst unter den Wählern des Linksbündnisses Syriza bekommt die Regierung von 73,5 Prozent der Befragten schlechte Noten. Auf die Frage, ob die von Tsipras geführte Koalition aus Links- und Rechtspopulisten "dem Land noch etwas zu bieten" habe, antworteten sieben von zehn Befragten mit Nein. Nur noch 17 Prozent der Griechen sehen in Tsipras einen geeigneten Regierungschef, gut 30 Prozent halten den konservativen Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis für den besseren Premierminister.

Würde am Sonntag gewählt, könnte die konservative ND mit 28,5 Prozent der Stimmen rechnen, während Syriza nur auf 16 Prozent käme. Allerdings sagte jeder fünfte Wähler, er sei noch unentschieden. Drittstärkste politische Kraft in der Umfrage ist mit 7,5 Prozent die Neonazi-Partei "Goldene Morgenröte".

Der Zulauf für die Rechtsextremisten spiegelt die Wut vieler Griechen im siebten Jahr des Sparprogramms. Auch Tsipras bekommt diese Frustration zu spüren, wie der Absturz seines Linksbündnisses Syriza in den Umfragen zeigt. Vor allem die massiven Steuererhöhungen, mit denen Tsipras die Haushaltslöcher zu stopfen versucht, Rentenkürzungen, die Rezession und hohe Arbeitslosigkeit machen der Regierung Wähler abspenstig.

(höh)
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