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Ländervergleich
Gute Noten für die Bildungsrepublik

Berlin. Das deutsche Bildungssystem schneidet im Vergleich zu anderen Industrienationen positiv ab. Viele junge Menschen sind hervorragend ausgebildet, haben gute Jobchancen. Aber die Flüchtlingskrise verlangt nach Anpassungen. Von Jan Drebes

Drei Botschaften waren Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) bei der Vorstellung der neuen Bildungsstudie wichtig: Die Deutschen sind erstklassig bei naturwissenschaftlichen Fächern, bekommen den Übergang von Schule und Uni in den Arbeitsmarkt gut hin und haben bei der Bildung von Kleinkindern deutlich aufgeholt. Das stimmt auch so weit, nimmt man eine neue Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Hand, die die Bildungssysteme führender Industrienationen verglichen hat. Dennoch gibt es an vielen Stellen noch Verbesserungsbedarf, etwa bei der hohen Zahl an Studienabbrechern.

Die Studie "Bildung auf einen Blick 2015" hat Daten zur Finanzierung, zum Aufbau und zur Leistung der Bildungssysteme aller 34 OECD-Staaten und mehrerer Partnerländer untersucht. Demnach muss sich Deutschland nicht verstecken. Das gilt vor allem für die Studienanfängerzahlen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint). Mit einer Quote von 40 Prozent der Studienanfänger belegt Deutschland im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz. Und wie der stellvertretende OECD-Generalsekretär Stefan Kapferer betonte, erhöht sich mittlerweile auch der Anteil von Frauen in diesen Studiengängen. Auch wenn in vielen Elternhäusern noch die Meinung vorherrsche, derlei Fächer seien etwas für Männer.

Wer ein Studium oder eine Berufsausbildung in Deutschland abgeschlossen hat, darf sich über gute Jobperspektiven freuen. Auch das bescheinigt die Studie. Demnach lag im Jahr 2014 die Quote der 20- bis 24-Jährigen, die nach ihrer Schulzeit weder in Arbeit noch in Aus- oder Weiterbildung waren, hierzulande nur bei 10,1 Prozent. In Großbritannien (17,0 Prozent), den USA (17,5), Frankreich (18,3), Spanien (29,0) und Italien (34,8) lag die Quote deutlich höher, der OECD-Durchschnitt beträgt 17,9 Prozent. Kapferer verwies zur Erklärung auf die gute konjunkturelle Lage in Deutschland, aber auch auf die Besonderheiten des dualen Ausbildungssystems, bei dem schulische und betriebliche Lehre zusammenfließen. Bei Akademikern würden die guten Jobchancen aber vor allem für Absolventen eben der Mint-Fächer gelten. Sozialwissenschaftler hätten auch heute nicht unbedingt eine Garantie auf Beschäftigung nach dem Abschluss, sagte Kapferer.

Im Zuge der Flüchtlingskrise sehe er Deutschland mit dem dualen System zwar gut gewappnet, sagte Kapferer. Nun komme es aber darauf an, mit speziellen Angeboten für Flüchtlinge diese Basis noch weiter zu stärken und auf deren Bedürfnisse anzupassen. Nur dann könne die Arbeitsmarktintegration gelingen.

Problematisch ist laut OECD zudem die hohe Zahl an Studienabbrechern. Der Studie zufolge begann 2013 etwas über die Hälfte eines Jahrgangs ein Studium, aber nur knapp ein Drittel schloss es erfolgreich ab. Im OECD-Durchschnitt lag die Anfängerquote bei 60 Prozent und die Abschlussquote bei 50 Prozent. Ministerin Wanka sprach von beunruhigenden Zahlen und sagte, man müsse in den Schulen dafür sorgen, dass die jungen Menschen mit realistischen Erwartungen ins Studium starten. Kapferer verwies hingegen darauf, dass sich auch das finanzielle Risiko deutscher Studenten in Grenzen halte, schließlich gebe es keine Studiengebühren. Ein Studium nach zwei Semestern abzubrechen, falle dann weniger schwer, so Kapferer.

Und auch das kritisiert die Studie an Deutschland: Die Bildungsausgaben seien in vielen anderen Ländern deutlich höher. 9,8 Prozent der öffentlichen Ausgaben in Deutschland entfielen auf Bildung, heißt es in der Studie - im OECD-Schnitt sind es 11,6 Prozent. Wanka wies das jedoch zurück: Pro Schüler und Student gebe die Bundesrepublik von Grundschule bis Uni überdurchschnittlich viel Geld aus.

Ein Lichtblick: Deutschland hat in den vergangenen Jahren bei der frühkindlichen Bildung massiv aufgeholt. Demnach sind laut OECD knapp zwei von drei Zweijährigen (2013: 59 Prozent) in Kitas oder bei Tagesmüttern - mehr als im OECD-Durchschnitt (39 Prozent). Bei den Dreijährigen sind es schon 92 Prozent. Wanka betonte, das sei gerade auch für Flüchtlingskinder eine große Chance, schnell gute Deutschkenntnisse zu erlangen.

Quelle: RP
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