Erleichterung nach Urteilsverkündung im Spionageprozess: Haftstrafen für iranische Juden
zuletzt aktualisiert: 01.07.2000 - 17:27Schiras/Iran (AP). Im Spionage-Prozess gegen 13 iranische Juden sind am Samstag zehn der Angeklagten zu Haftstrafen zwischen vier und 13 Jahren verurteilt worden. Drei weitere wurden freigesprochen, wie der Hauptverteidiger Esmail Naseri erklärte. Sie waren bereits seit Februar auf Kaution frei. Das Urteil und das Strafmaß seien nicht endgültig, sondern könnten angefochten werden, sagte Naseri weiter. Er zeigte sich erleichtert, dass keiner der Angeklagten zum Tode verurteilt wurde.
Die beiden Hauptangeklagten, der 30-jährige Schuhhändler Dani Tefilin und der 54 Jahre alte Englischlehrer Ascher Sadmehr wurden zu jeweils 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Tefilin wurden Mitgliedschaft in einer illegalen Vereinigung und Zusammenarbeit mit Israel vorgeworfen. Sadmehr war ebenfalls der Zusammenarbeit mit Israel sowie der Organisation eines Spionagerings angeklagt. Dieser Spionagering habe Sabotageakte geplant und die Trinkwasserversorgung von Schiras vergiften wollen, machte die Staatsanwaltschaft geltend.
Israel bestritt die Spionagevorwürfe und zweifelte ebenso wie Menschenrechtsgruppen die Fairness des Verfahrens an, bei dem der Richter auch als Staatsanwalt auftrat und zu dem internationale Beobachter nicht zugelassen waren. Nach Monaten in Haft hatten sich acht Angeklagte schuldig bekannt, vier hatten sich für unschuldig erklärt, und einer hatte zugegeben, Informationen weitergeleitet zu haben. Die Verteidiger erklärten, sie hätten vor den Geständnissen keine Möglichkeit gehabt, mit ihren Mandanten zu sprechen.
Nach der Urteilsverkündigung erlitt die Schwester Tefilins einen Schwächeanfall. Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Awiw Schiron, sagte, Iran dürfe nicht als Mitglied der internationalen Gemeinschaft akzeptiert werden, so lange unschuldige jüdische Gefangene in den Gefängnissen verfaulten. Der Leiter des Amerikanisch Jüdischen Komitees, David A. Harris, sprach von einem Schauprozess und einer Tragödie für die zehn Verurteilten und ihre Angehörigen.
Der Dekan des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles, Rabbi Marvin Hier, erklärte, der iranische Präsident Mohammad Chatami müsse nach dem Urteil bei Auslandsreisen mit Protesten rechnen. Vor dem Urteil wurde die Verhängung der Todesstrafe gegen die Angeklagten nicht ausgeschlossen. 1997 waren in Teheran zwei Juden wegen ähnlicher Vorwürfe gehängt worden.
Die Verhaftung der Juden im März vergangenen Jahres war international scharf kritisiert worden; der Prozess begann im April. Vor der Islamischen Revolution von 1979 lebten in Iran etwa 80.000 Juden. Bis heute sind rund 25.000 im Land geblieben. Der Staat gewährt ihnen zwar Religionsfreiheit, hat aber ihre Reisefreiheit eingeschränkt und Kontakte nach Israel verboten.
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