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Hinweise für Verfahren gegen Motassadeq erhofft: Hamburger Gericht vernimmt Terror-Zeugen in Seattle

zuletzt aktualisiert: 18.12.2002 - 06:33

Seattle (rpo). Drei Richter des Oberlandesgerichtes Hamburg haben am Dienstag in Seattle mit der Zeugenvernehmung des Algeriers Ahmed Ressam, der seit Dezember 1999 wegen terroristischer Verschwörung inhaftiert ist, begonnen. Der Hamburger Prozess um Beihilfe zu den Terroranschlägen vom 11. September ist damit für drei Tage in die USA verlegt.

Von der Befragung Ressams erhofft sich die Anklage neue Hinweise für das Verfahren gegen den in Hamburg angeklagten Mounir El Motassadeq. Der 28-jährige steht seit dem 22. Oktober vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft beschuldigt ihn, als Mitglied einer terroristischen Vereinigung Beihilfe zum Mord in 3.045 Fällen geleistet zu haben. Der Student soll am Geldnachschub für die Hamburger Terroristengruppe um Mohammed Atta mitgewirkt haben. Atta war einer der Piloten, der am 11. September 2001 Verkehrsflugzeuge gekapert und gegen das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington gesteuert hat.

Die Vernehmung in Seattle wurde von Richter Albrecht Mentz geleitet. Zu Beginn sei es um Verfahrensfragen gegangen, sagte der US-Staatsanwalt John Hartingh. Die Befragung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Nur 28 Personen hatten Zugang zum achten Stock des Gerichtsgebäudes in Seattle, wo Ressam vernommen wurde. Neben den drei Richtern nahmen auch Vertreter der Bundesanwaltschaft und der Verteidigung sowie Anwälte der Nebenkläger daran teil. Der erste Tag der Zeugenvernehmung dauerte rund vier Stunden.

Ressam wurde in den USA für schuldig befunden, zum Jahreswechsel 1999/2000 einen Anschlag auf den Flughafen von Los Angeles geplant zu haben. Mit Blick auf die von ihm erwarteten Aussagen zu mutmaßlichen Terroristen wurde bisher noch keine Strafe verhängt.

Die Aussagen Ressams könnten zu neuen Erkenntnissen über die Rolle der Hamburger Terrorzelle innerhalb des El-Kaida-Netzwerks führen, sagte kürzlich Andreas Schulz als Rechtsvertreter eines amerikanischen Nebenklägers im Prozess gegen Motassadeq. Die Frau von Nebenkläger Stephen Push war bei dem Anschlag auf das Pentagon ums Leben gekommen. Der Anwalt Motassadeqs, Hans Leistritz, hat erklärt, dass sein Mandant Ressam nicht kenne. Die einzige gemeinsame Erfahrung sei die Ausbildung in afghanischen Lagern gewesen.

Quelle: RPO Archiv

 
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