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Brüssel
Hauptverdächtiger der Pariser Anschläge gefasst

Brüssel. Nach einer Schießerei in Brüssel werden fünf mutmaßliche Terroristen verhaftet, darunter Salah Abdeslam.

Nach vier Monaten auf der Flucht ist einer der meistgesuchten mutmaßlichen Attentäter von Paris, Salah Abdeslam, der Polizei bei einem Großeinsatz in Brüssel ins Netz gegangen. Mit ihm seien vier weitere Verdächtige festgenommen worden, die bewaffnet Widerstand geleistet hätten, teilten der belgische Ministerpräsident Charles Michel und der französische Staatspräsident François Hollande in Brüssel mit. Die Terroralarmstufe sei nun überall in Frankreich und Belgien sehr hoch, sagte Hollande. Die Ermittlungen seien damit noch nicht abgeschlossen, es werde noch mehr Festnahmen in dem Fall geben, sagte der Staatspräsident. In die Anschläge vom 13. November, bei denen 130 Menschen getötet wurden, seien mehr Personen als zunächst vermutet verwickelt. Frankreich werde nun eine schnelle Auslieferung Abdeslams beantragen und er denke, dass Belgien darauf schnell reagieren werde. Michel feierte den Fahndungserfolg mit den Worten: "Dieser Abend ist ein Erfolg im Kampf gegen den Terrorismus."

Die Razzia fand im Brüsseler Stadtteil Molenbeek statt. Dessen stellvertretender Bürgermeister, Ahmed El Khannouss, teilte mit, der 26-jährige Abdeslam habe bei einem Feuergefecht einen Beinschuss erlitten. Abdeslam war kurz nach den Anschlägen vom 13. November bei einer Verkehrskontrolle ander französisch-belgischen Grenze aufgefallen. Das Auto war zuvor in der Nähe der Tatorte gesehen worden. Die Beamten ließen ihn aber ziehen, weil sie noch keine entsprechenden Anweisungen hatten. Abdeslam soll einer von mehreren Terroristen gewesen sein, die am 13. November Cafés, ein Rockkonzert und ein Stadion angegriffen hatten. Dabei soll er eine Gruppe Bewaffneter während der Anschläge gefahren haben. Sein Bruder Brahim gehörte zu den Selbstmordattentätern, die sich in die Luft sprengten. Er selbst ist ein Freund aus Kindertagen von Abdelhamid Abaaoud, der als wichtigster Drahtzieher der Anschläge gilt und wenige Tage nach den Attacken bei einem Polizeizugriff ums Leben kam.

Aufnahmen des belgischen Fernsehens zeigten gestern maskierte Spezialkräfte, die den Eingang zu einer Straße in Molenbeek bewachten. Reporter berichteten, über dem Dach eines Gebäudes in der abgesperrten Zone sei weißer Rauch aufgestiegen. In Molenbeek wohnen mehrere der Attentäter von Paris, der Stadtteil gilt als Rückzugsort islamischer Extremisten. Nach der Panne bei der Verkehrskontrolle an der Grenze zu Belgien war nach Abdeslam international gefahndet worden. Abdeslam war jedoch nur wenige Stunden nach den Anschlägen nach Brüssel zurückgekehrt.

Zu der Tat hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. Die Fahndung nach Abdeslam lief seit Monaten auf Hochtouren. Spekuliert wurde, er sei nach Syrien geflohen.

Die Ermittler waren bereits am Dienstag Abdeslam dicht auf den Fersen gewesen. An dem Tag wurden Beamte bei einer Routine-Überprüfung einer Brüsseler Wohnung im Zusammenhang mit den Pariser Attentaten aus einer Wohnung heraus beschossen. Ein Scharfschütze erschoss einen 35 Jahre alten Algerier. Nach Medienberichten konnten während der Schießerei zwei Männer fliehen. In dem Appartement fanden die Ermittler Fingerabdrücke von Abdeslam auf einem Glas.

Die Pariser Attentate hatten auch zu Spannungen zwischen Frankreich und Belgien geführt. Französische Ermittler warfen belgischen Sicherheitsbehörden vor, die Aktivitäten von militanten Rückkehrern aus Syrien nicht streng genug zu überwachen.

(ap/rtr)
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