G-8-Gipfel ruft zum Dialog auf: Heftige Kämpfe in Mazedonien
zuletzt aktualisiert: 22.07.2001 - 17:08Skopje/Genua (rpo). Einen Tag vor neuen Friedensgesprächen in Mazedonien sind am Sonntag die bisher heftigsten Kämpfe seit Inkrafttreten der Waffenruhe am 6. Juli ausgebrochen. Dabei kamen bei Tetovo, im Nordwesten des Landes, auch Kampfjets vom Typ Suhoi 25 zum Einsatz, die die Stellungen der Albaner allerdings nur überflogen. Bei den Gefechten sind zwei Soldaten bei Tetovo und ein weiterer an der westlichen Grenze zu Albanien verletzt worden.
Mazedonische Sicherheitskreise berichteten, die Rebellen hätten von mehreren Dörfern aus gefeuert, die unter Kontrolle der albanischen "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) stehen. Die Gefechte flauten am Nachmittag ab, nachdem die Düsenjäger das Gebiet überflogen hatten. Über eventuelle Verluste auf der Rebellenseite war zunächst nichts bekannt.
Der G-8-Gipfel in Genua hatte die Konfliktparteien in Mazedonien aufgerufen, ihren Dialog fortzusetzen. Nur eine Friedenslösung könne Demokratie und das Nebeneinander der verschiedenen Völker gewähren, hieß es in einer Erklärung am Samstag. Die Rechte der Minderheiten müssten garantiert werden. Wenn ein dauerhafter Frieden erreicht sei, werde die internationale Gemeinschaft eine Geberkonferenz unterstützen.
Die slawisch-mazedonische und die albanische Seite bekräftigten unterdessen ihre kontroversen Vorstellungen über die Beilegung des Konfliktes und die Lösung der politischen Krise. Für Innenminister Ljube Boskovski ist die Zerschlagung der "albanischen terroristischen Banden" die Voraussetzung für einen politischen Dialog.
Die bewaffneten Albaner der UCK würden ihre Waffen erst dann niederlegen, wenn all ihre "gerechten" Forderungen erfüllt seien, sagte Ali Ahmeti, politischer Führer der UCK. Die UCK sei zu direkten Verhandlungen mit den mazedonischen Behörden bereit, sagte der im Untergrund lebende Ahmeti Zeitung "Utrinski vesnik" in Skopje (Samstag-Ausgabe). "Uns wurde der Krieg aufgezwungen, denn die Regierung wollte nicht über unsere Probleme reden." Ahmeti sprach von der militärischen Stärke der UCK, die für den Kampf vorbereitet sei.
Mazedonien wünsche einen gerechten Frieden, werde aber "Ultimaten und eine koloniale Politik" nicht akzeptieren, sagte Boskovski nach Angaben der Nachrichtenagentur MIA. Die Erklärung des Innenministers wurde in Skopje als deutliche Ablehnung der Forderungen von EU und NATO gedeutet, die sich für eine Verfassungsänderung zu Gunsten der albanischen Minderheit einsetzen.
Die festgefahrenen Gespräche über einen Reformplan, der den blutigen Konflikt zwischen Albaner-Rebellen und Regierungstruppen beenden soll, sollen am Montag fortgesetzt werden. Inoffiziell wurde eine neue Verhandlungsrunde zwischen Präsident Boris Trajkovski und den Führern der mazedonischen und albanischen Parteien angekündigt.
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