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Düsseldorf/Orlando
Hildener sammelten für afghanischen Hafen

Düsseldorf/Orlando. Der Vater des Orlando-Attentäters ließ einen Verein in Hilden gründen. Der Kontakt riss bald ab. Von Jan Drebes und Stefani Geilhausen

Die Geschäftsverbindung zwischen der Familie des Orlando-Attentäters und der Düsseldorfer Stadtsparkasse ist geklärt: Ein Ehepaar aus Hilden hat sich bei der Polizei gemeldet und über seinen Kontakt zu Seddique Mateen berichtet. Die Aussagen seien "weitgehend plausibel", heißt es aus Ermittlerkreisen. Die Untersuchung sei aber noch nicht abgeschlossen. Am Dienstag war bekannt geworden, dass der Vater des Mannes, der in einem Nachtclub in Orlando 49 Menschen ermordet hat, für Spenden auf ein Konto in Düsseldorf geworben hatte. Mateen trat in den USA regelmäßig im Internetfernsehen auf, um sich für die Belange seiner afghanischen Heimat einzusetzen. Auch dem afghanischstämmigen Hildener Ehepaar war er daher bekannt. Er soll finanzielle Unterstützung bei Exil-Afghanen auch in den Niederlanden und Großbritannien gesucht haben. 2013 sammelte er nach Informationen unserer Redaktion gezielt Mittel, um dem Binnenland Afghanistan Zugang zu einem iranischen Hafen zu verschaffen. So sollte Afghanistans Abhängigkeit von Pakistan verringert werden.

Das Hildener Paar sei von Mateen um Unterstützung gebeten worden und will deshalb den Verein "Direkthilfe e.V." gegründet haben. Das Vereinskonto wurde in Düsseldorf eingerichtet. Zwei Geldeingänge wurden dort verzeichnet. Das Vereinsvermögen belief sich nach unseren Informationen auf 170 Euro. Die Vereinsgründer wollen das Geld selbst eingezahlt und wieder abgehoben haben, um davon die Gebühren für die Eintragung ins Vereinsregister zu zahlen. Auf Spenden allerdings warteten sie vergeblich: Nicht eine einzige ging bis 2014 auf dem Konto ein. Darüber soll es zum Zerwürfnis zwischen Mateen und dem Ehepaar gekommen sein; die Hildener sollen misstrauisch geworden sein und das Konto geschlossen haben. Seitdem bestehe keine Verbindung mehr zu dem Mann in Orlando, berichteten die beiden der Polizei. Die Ermittler gehen nicht davon aus, dass der Verein in fragwürdige Aktivitäten verwickelt war. Dagegen spreche vor allem, dass das Konto weitgehend leer blieb.

Quelle: RP
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