Deutsches Rotes Kreuz kritisiert Israel: Hilfe "zunehmend unmöglich"
zuletzt aktualisiert: 05.04.2002 - 16:22Berlin (rpo). Scharfe Kritik an Israel übt das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Im blutigen Konflikt mit den Palästinensern würden die Rettungsarbeiten der Helfer massiv behindert. In den letzten 48 Stunden seien insgesamt sieben Rettungsfahrzeuge durch israelische Panzer zerstört", heißt es in einer am Freitag in Berlin verbreiteten Erklärung.
Die Kampfhandlungen machten Hilfe "zunehmend unmöglich". In den vergangenen Monaten seien in dem Konflikt weit über 100 Mitarbeiter des PRH und 6 des Israelischen Roten Davidsterns verletzt worden. Auch der Tod von Helfern sei zu beklagen, erklärte Ipsen.
In Deutschland hielt die hitzige Debatte über den Nahost-Konflikt und das Vorgehen Israels an. Aus Protest gegen den Einmarsch Israels in die Palästinenser-Gebiete werden am Wochenende voraussichtlich mehrere tausend Menschen in Deutschland auf die Straße gehen. In Hamburger demonstrierten bereits am Freitag rund 2000 Menschen gegen das Vorgehen Israels.
Nach der harschen Kritik an den Äußerungen von FDP-Vize Jürgen Möllemann zum Nahost-Konflikt ging Parteichef Guido Westerwelle auf Konfrontationskurs zum Zentralrat der Juden in Deutschland. "Es ist unangebracht, wenn Vertreter des Zentralrats der Juden reflexartig Kritikern der israelischen Regierungspolitik ihre moralische Integrität absprechen." Möllemann hatte mit Äußerungen zum Einmarsch Israels einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.
Die Union plädierte für eine Überprüfung der europäischen Hilfen an Israelis und Palästinenser, falls der Konflikt im Nahen Osten weiter eskaliert. In einer Erklärung kritisierten die Parteichefs Angela Merkel (CDU) und Edmund Stoiber (CSU) Palästinenserführer Jassir Arafat ebenso wie Israels Ministerpräsidenten Ariel Scharon.
Nach Ansicht des Nahostexperten Hans-Jürgen Wischnewski (SPD) unterschätzt Scharon die Folgen seines harten Kurses gegen die Palästinenser. Der Einmarsch in Bethlehem habe nicht nur die arabische Welt entsetzt. "Er muss sich darüber im Klaren sein, dass das, was er dort macht, die Christen bis zum Äußersten erzürnt", sagte der ehemalige Staatsminister im Kanzleramt der dpa in Köln.
Die Bundesregierung begrüßte unterdessen die von US-Präsident George W. Bush angekündigte Friedensinitiative zur Beendigung des immer weiter eskalierenden Nahostkonflikts "mit allem Nachdruck". "Sie bedeutet ein wichtiges Signal der Hoffnung für eine baldige Deeskalation der Gewalt zwischen Israel und Palästinensern und eine Rückkehr der Konfliktparteien zu politischen Lösungsansätzen", erklärte Außenminister Joschka Fischer.
Die 50-Jährige Münchnerin, die seit Sonntag zusammen mit ihrer Tochter und anderen Friedensaktivisten im Hauptquartier von Palästinenserpräsident Arafat ausharrte, ist inzwischen wieder in Deutschland. Die Deutsche Sophia Deeg habe auf Grund der diplomatischen Bemühungen am Freitag ausreisen können, bestätigte das Auswärtige Amt auf dpa-Anfrage. Ihre 21 Jahre alte Tochter Julia sei auf eigenen Wunsch in dem von israelischen Soldaten umzingelten Gebäude geblieben.
DRK-Präsident Ipsen verurteilte die "wachsenden Restriktionen, die dem medizinischen Dienst und dem humanitären Einsatz des IKRK und des PRH von israelischer Seite in den besetzten Gebieten auferlegt werden". Die Verantwortlichen der deutschen und der europäischen Regierungen forderte er auf, "ernsthaften Druck auf Israel als Signatarstaat des Genfer Abkommens auszuüben, um die darin vorgeschriebene Einhaltung der humanitären Mindeststandards zu gewährleisten".
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