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Washington
Hillary Clintons Altlast heißt Bengasi

Die politische Karriere von Hillary Clinton
Die politische Karriere von Hillary Clinton FOTO: afp, LARRY DOWNING
Washington. Ein Attentat auf ein US-Konsulat in Libyen könnte die Pläne der Ex-Außenministerin für 2016 verhageln. Von Frank Herrmann

Als Chris Stevens, der US-Botschafter in Libyen, einen Notruf absetzte, war es fast schon zu spät. Da hatten die Angreifer bereits Petroleum angezündet in dem Gebäude, in das der Diplomat mit einem Kollegen und einem Bodyguard geflohen war. Die beiden Diplomaten starben, ebenso wie kurz darauf zwei CIA-Mitarbeiter, als ein Außenposten des Geheimdiensts unter Granatwerferbeschuss geriet.

Der US-Kongress hat immer wieder unter die Lupe genommen, was in der Nacht vom 11. auf den 12. September 2012 in der ostlibyschen Stadt Bengasi geschah, als eine Zelle bewaffneter Islamisten das Konsulat der USA stürmte. Morgen muss sich Hillary Clinton, damals Außenministerin und heute aussichtsreiche Bewerberin um die demokratische Präsidentschaftskandidatur 2016, vor einem Sonderausschuss des Repräsentantenhauses auf unangenehme Fragen gefasst machen.

Fotos: Das sind die Präsidentschaftskandidaten FOTO: dpa, lws hm ase

Obwohl sich die Gefahrenmomente in Libyen nach der ersten Euphorie des Sieges über Diktator Muammar al Gaddafi zu häufen begannen, blieb das Außenministerium bei seinen Plänen, das Wachpersonal zu reduzieren. Offenbar wollte mancher in Washington Stevens' Warnungen nicht wahrhaben. Ob auch Clinton die Realität durch die rosarote Brille sah, ob die Depeschen überhaupt bis zu ihr vordrangen, ist eine der Fragen. Bereits 2014 gelangte das Geheimdienstkomitee des Senats zu dem eindeutigen Schluss: Indem Warnungen ignoriert worden seien, habe man das US-Personal in Libyen einem zu hohen Risiko ausgesetzt.

Der Bengasi-Ausschuss wird geleitet von einem Konservativen, einem aufstrebenden Südstaatler namens Trey Gowdy. Clintons Auftritt könnte mit darüber entscheiden, wie es 2016 um ihre Wahlchancen steht. Derzeit führt sie parteiintern deutlich vor dem Linksaußen Bernie Sanders.

Hillary Clinton: US-Präsidentschaftskandidatin 2016 FOTO: afp, js

Dass es nicht nur um die reine Wahrheitssuche geht, sondern auch um Parteipolitik, hat ein hochrangiger Republikaner in unfreiwilliger Offenheit klargemacht. Kevin McCarthy, Fraktionschef im Repräsentantenhaus, sagte: "Jeder dachte, Hillary Clinton sei unbesiegbar, stimmt's? Dann haben wir den Sonderausschuss zu Bengasi gegründet. Und wie ist es heute um ihre Umfragewerte bestellt?" McCarthys moderater Parteifreund Richard Hanna legte nach: Natürlich gehe es zu großen Teilen darum, Hillary Clinton eins auszuwischen. Die Kandidatin sieht es natürlich genauso: Der Ausschuss sei nie etwas anderes gewesen als eine parteipolitische Übung.

Quelle: RP
 
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