Kein Austausch vereinbart: Hisbollah dementiert Einigung mit Israel
zuletzt aktualisiert: 12.07.2002 - 12:09Beirut (rpo). Scheich Hassan Nasrallah hat heftig die Einigung über den Austausch von israelischen Soldaten gegen rund 100 arabische Gefangene dementiert. Einen entsprechenden Deal gäbe es nicht, stellte der Hisbollah-Generalsekretär klar.
Der von Israel inhaftierte palästinensische Funktionär Marwan Barghuti soll im Zuge eines Gefangenenaustausches zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz freikommen, wie der israelische Armeerundfunk am Freitag meldete. Vermittelt haben soll den Austausch vor allem die deutsche Regierung. Erst tags zuvor hatte das Justizministerium in Jerusalem mitteilte, dass Barghuti in Kürze wegen seiner Verwicklung in Anschläge auf israelische Ziele der Prozess gemacht werden solle.
In dem Bericht des Armeerundfunks hieß es weiter, Barghuti werde über Libanon in ein europäisches Land ins Exil gehen. Zudem werde Israel rund hundert Gefangene freilassen und die Leichen mehrerer getöteter Hisbollah-Kämpfer übergeben. Die Hisbollah werde ihrerseits den im Oktober 2000 entführten Israeli Elhanan Tennenbaum freilassen und die Leichen von drei entführten und getöteten israelischen Soldaten übergeben.
Barghutis Anwalt Dschawad Bulos sagte, er wisse nichts von einer solchen Vereinbarung. Sie wäre allerdings auch nicht überraschend und nicht von der Hand zu weisen. Eine Sprecherin des israelischen Verteidigungsministeriums lehnte einen Kommentar zu dem Bericht ab.
Interview mit Hisbollah-Führer im Fernsehen
Der Fernsehsender der Hisbollah, Al Manar TV, strahlte ein Interview mit Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah aus, in dem dieser bestätigte, dass es "ernsthafte Gespräche" gebe. Er fügte aber hinzu, allerdings seien noch nicht die humanitären Forderungen der Hisbollah erfüllt worden. Es gehe vor allem um die Zahl der Gefangenen, die freikämen und nicht um Namen.
Israelis und Palästinenser wollen am Samstagabend auch wieder Gespräche auf ranghoher Ebene aufnehmen, wie der palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat mitteilte. Daran würden unter anderen der palästinensische Finanzminister Salam Fajed und Innenminister Abdel Rasak Jihijeh sowie auf israelischer Seite Außenminister Schimon Peres und Kabinettsminister Dan Naveh teilnehmen.
Bei einem Feuergefecht im Gazastreifen wurden am Freitagmorgen zwei Palästinenser getötet und drei verwundet, wie palästinensische Augenzeugen berichteten. Den Angaben zufolge drangen israelische Truppen in die Ortschaft Dir el Balah ein und durchsuchten mehrere Häuser. Dabei kam es zu dem Feuergefecht. Israel meldete die Festnahme eines mutmaßlichen Terroristen.
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