Wenige Stunden nach Berlinale-Premiere: Hitlers Sekretärin starb nach Film über ihr Leben
zuletzt aktualisiert: 13.02.2002 - 17:30Berlin (rpo). Hitlers letzte Sekretärin ist gestorben. Wenige Stunden vorher hatte Traudl Junge sich einen Dokumentarfilms über ihr eigenes Leben angeschaut.
Wie eine Sprecherin der Berliner Filmfestspiele am Mittwoch bestätigte, erlag die 81-Jährige bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag in einem Münchner Krankenhaus einem Krebsleiden. Erst am Sonntag war auf der Berlinale der Film "Im toten Winkel" präsentiert worden, in dem Junge über ihre Jahre von 1942 bis 1945 als Sekretärin des Diktators berichtet.
Der Wiener Künstler André Heller, der mit Regisseur Othmar Schmiderer die Dokumentation zusammenstellte, hatte dabei berichtet, dass Junge dem Tod entgegensehe: "Ich habe meine Geschichte losgelassen, und nun lässt das Leben mich los", habe sie bei ihrer letzten Begegnung gesagt.
Ihre Schilderungen Hitlers bis zu dessen Selbstmord im Führerbunker nannte Heller einen Beweis für die "Banalität des Bösen". Junge selbst sagt in dem Film, Hitler sei ein echter Verbrecher gewesen, sie habe es nur nicht gemerkt - wie Millionen andere auch. Bedrückt konstatierte auch das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem, die Leichtgläubigkeit der jungen Sekretärin sei symptomatisch für die damalige Haltung in Deutschland gewesen. "Das Wichtige ist nicht, ob sie wusste, was passierte", sagte Büroleiter Efraim Suroff nach der Filmpremiere. "Ihre Geschichte spiegelt die blinde Loyalität wider, die viel zu viele Deutsche zeigten."
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