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Berlin
Hochschule Hannover untersucht von der Leyens Doktorarbeit

Porträt: Von der Leyen - Ministerin mit Ambitionen
Porträt: Von der Leyen - Ministerin mit Ambitionen FOTO: dpa, Hannibal Hanschke
Berlin. Wie andere Politiker, die Plagiatsvorwürfen ausgesetzt waren, hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) angestrebt, ihre Doktorarbeit wissenschaftlich überprüfen zu lassen. Die Medizinische Hochschule Hannover hat deshalb nun eine Untersuchung eingeleitet. Wann ein Ergebnis vorliegen wird, ist offen. Die Ministerin weist die Vorwürfe, sie habe etliche Textpassage kopiert, ohne dies zu kennzeichnen, nachdrücklich zurück. Der Gründer der Plagiatsplattform Vroniplag Wiki, Martin Heidingsfelder, forderte indes die Aberkennung des Doktortitels von der Leyens. "Sie war extrem faul und hat gnadenlos kopiert", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Enthüllungen der Internetseite waren am Wochenende bekanntgeworden. Von Eva Quadbeck

Die Schwelle zur Einleitung der Hauptprüfung sei im Verfahren zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der Medizinischen Hochschule Hannover grundsätzlich niedrig, hieß es. Die fünfköpfige Prüfungskommission besteht aus vier gewählten Mitgliedern aus den großen Bereichen der Hochschule sowie einem Rechtsexperten.

Von der Leyen ist Ärztin und schrieb 1990 ihre Dissertation im Bereich Frauenheilkunde. Der Titel: "C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung". Bisher wurden nach Angaben von Vroniplag auf 27 der 62 Textseiten Plagiatsfundstellen dokumentiert. Von der Leyen wird zudem vorgeworfen, an 23 Stellen Quellen genannt zu haben, die den Inhalt der Ausführungen nicht decken.

Nach Einschätzung von Plagiatsjäger Gerhard Dannemann schludern Mediziner bei ihren Doktorarbeiten häufiger als andere Wissenschaftler: "Der Publikationsdruck ist oft extrem hoch", sagte der Berliner Juraprofessor der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig seien Dissertationen mit Datenanalysen, wie sie in der Medizin häufig vorkommen, schwer zu überprüfen. Dannemann und weitere Wissenschaftler dokumentieren ihre Untersuchungen zu Plagiaten in Promotionen auf der Internetseite Vroniplag Wiki.

Mediziner stellen laut Statistischem Bundesamt die größte Gruppe der Doktortitel-Träger. 2014 bestanden rund 6300 Humanmediziner die Promotionsprüfung. Bei den Prüfungen gibt es kaum Durchfaller. Die SPD will den Täuschungsvorwurf gegen die Verteidigungsministerin derzeit nicht bewerten. Es seien "schwerwiegende Behauptungen", die nun auf eigenen Wunsch der Ministerin überprüft würden. Dem Ergebnis sollte man nicht vorgreifen: "Ich kenne weder die Doktorarbeit noch bin ich ein unabhängiger Prüfer", sagte SPD-Vize Ralf Stegner gestern in Berlin. Rückendeckung bekam von der Leyen aus den eigenen Reihen.

(dpa/qua)
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