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Zahlen der Bundespolizei
Höchste Zahl an Abschiebungen seit 2003 erwartet

Höchste Zahl an Abschiebungen seit 2003 erwartet
Die Zahl der Abschiebungen ist so hoch wie seit 2003 nicht mehr. FOTO: dpa
Berlin. Deutschland schiebt so viele Menschen ab wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Das geht aus Unterlagen der Bundespolizei vor, die unserer Redaktion vorliegen. Demnach hat es bis einschließlich September dieses Jahres 19.914 Abschiebungen gegeben. Von Ludwig Krause

Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr waren es nur 20.888. Bis zum Ende diesen Jahres könnten die Zahlen Schätzungen zufolge auf 26.500 steigen. So hoch war die Quote zuletzt 2003.

Mit Abstand am häufigsten werden Illegale und abgelehnte Asylbewerber aus den Westbalkanstaaten abgeschoben. Albanien, das Kosovo, Serbien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro machen mit 14.529 Abschiebungen bis September fast drei Viertel aller Fälle aus. Seit 2015 gelten alle Westbalkanstaaten als sichere Herkunftsländer. Die Asylanträge ihrer Bürger werden in der Regel abgelehnt. Zu den Ländern, in die am häufigsten abgeschoben wird, gehören auch Russland, Georgien, Rumänien und die Ukraine.

Afghanen und Syrier werden in Drittstaaten gebracht

Die Zahl der Abschiebungen von aus Syrien stammenden Asylbewerbern hat sich mit 426 Menschen im Vergleich zum Vorjahr bereits mehr als verdoppelt. Auch Abschiebungen von Afghanen nehmen zu. Waren es im vergangenen Jahr noch 178, sind es bis einschließlich September bereits 199. Die wenigsten davon müssen in ihr Heimatland zurückkehren.

So mussten in diesem Jahr nur 27 nach Afghanistan ausreisen. Die übrigen Afghanen wurden in andere EU-Länder oder Drittstaaten gebracht. Deutlich größer ist der Teil derer, die freiwillig in ihr Land zurückkehren: Dazu haben sich nach Angaben des Innenministeriums in diesem Jahr bereits knapp 3000 Afghanen entschieden.

Die Abschiebung in Krisengebiete ist umstritten. Trotz der unsicheren Lage in ihrer Heimat sind allein 12.539 Afghanen zur Ausreise aus Deutschland aufgefordert. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet. Demnach müssen fünf Prozent der hier lebenden fast 247.000 Afghanen Deutschland wieder verlassen.

Die Zahl der Abschiebungen schwankt zwischen den einzelnen Bundesländern. Auf dem Spitzenplatz liegt als größtes Bundesland NRW mit insgesamt 3791 Abschiebungen in diesem Jahr, gefolgt von Baden-Württemberg (2718) und Bayern (2685). Auf dem letzten Platz liegt Bremen mit 69 Abschiebungen.

(lukra)
 
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