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Berlin
Honeckers Devisenbeschaffer Schalck-Golodkowski gestorben

Berlin. Geboren im Osten Berlins, in DDR-Zeiten mit Luxus, Villa am Orankesee und Ferienhaus mitten im Naturschutzgebiet sowie vielen Privilegien ausgestattet, verbrachte er seinen Ruhestand im feinen Rottach-Egern am Tegernsee: Schon diese Stationen von Alexander Schalck-Golodkowski lassen ahnen, dass dieser Stasi-Offizier "im besonderen Einsatz" zu den schillernden Figuren im sozialistischen Staat gehörte. Er hielt die DDR mit Devisen und Krediten am Leben, sammelte alles in allem 27 Milliarden D-Mark ein, attestierte der DDR aber 1989, dass das System den Staat in die Pleite gebracht hatte. 82-jährig ist er nun nach längerem Krebsleiden gestorben.

In aktiver Zeit stand er möglichst wenig im Rampenlicht. Aber wichtige Akteure der Bundesrepublik kannten ihn sehr gut und erlebten ihn als knallharten Verhandler: Er wirkte beim Freikauf politischer Gefangener mit, er klärte die Details des berühmten Milliarden-Kredits mit Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU). Und er befehligte die Staatsbediensteten, die Rollkommandos gleich über DDR-Bürger herfielen und ihnen lukrative Besitztümer entwanden, um sie im Westen zu versilbern. Beschlagnahmte Westwaren hielt er ebenso in seinen Händen - und war daher in der DDR-Nomenklatura ein beliebter Genosse, der besorgen konnte, was in DDR-Geschäften nicht zu kaufen oder sogar verboten war.

In den Nach-Wende-Wirren setzte er sich in den Westen ab - möglicherweise mit Zugriff auf vorsorglich dort geparkten Besitz. Der Inhalt seines Bankschließfachs wurde jedoch nicht bekannt. Und auch nicht, ob und wohin Millionen auf Tarnkonten verschwanden. Selbst ein Untersuchungsausschuss des Bundestages fand keine schlüssigen Beweise. Jedenfalls fühlte sich Schalck-Golodkowski in der Obhut des BND sicherer als im zerbröselnden eigenen Regime, und unter dem Deckmantel "Schneewittchen" erläuterte er die Arbeitsweise seiner "Kommerziellen Koordinierung", kurz: Koko. Das schützte ihn zwar nicht vor Ermittlungen und Prozessen, etwa wegen Waffenhandels. Doch er kam mit Bewährungsstrafen davon oder wurde für verhandlungsunfähig erklärt.

(may-)
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