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Der Anschlag von Eisenach: "Ich hatte noch nie Probleme mit den Deutschen''

zuletzt aktualisiert: 10.08.2000 - 17:03

Eisenach (AP). Die im Zusammenhang mit rechtsextremistischen Vorfällen in die Schlagzeilen geratene Wartburgstadt Eisenach in Thüringen erlebte in der Nacht zum Donnerstag eine neue Dimension des Terrors. Kurz nach Mitternacht schreckte eine Detonation die Bewohner eines Plattenbaugebiets im Norden der Stadt auf. Die Detonation demolierte die Eingangstür einer von einem Türken betriebenen Döner-Gaststätte, wobei nach Polizeiangaben ein Schaden von 1.500 Mark entstand. Niemand wurde verletzt.

Anwohner sahen eine Qualmwolke und eine verdächtige Gestalt. Die Polizei nahm in Tatortnähe einen 19-Jährigen fest, der dem Landesvorstand der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten angehört und eine örtliche "Kameradschaft'' leitet. Er ist vorbestraft wegen Körperverletzung und Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. Er hatte in einem Rucksack rechtsextremistische Propagandaschriften dabei. Beweise für eine Täterschaft wurden bei ihm und bei einer Hausdurchsuchung nicht gefunden. Die Polizei ermittelt nun auch in andere Richtungen.

"Ich hatte doch noch nie Probleme mit den Deutschen,'' sagte der 37-jährige Gaststätteninhaber Yilmaz Alkan (Foto). "Sie sind doch gute Kunden, aber jetzt habe ich Angst um meine Frau und meine beiden Kinder.'' Er will aber in Eisenach bleiben. Dazu dürfte die spontane Reaktion vieler Eisenacher beitragen. Sie brachten ihm bunte Sommerblumen, nachdem er in den Mittagsstunden seine Gaststätte wieder geöffnet hatte.

Zuvor hatte die Polizei den Schauplatz abgesucht und mit Hilfe von Metallspürgeräten Splitter eines kleinen Druckbehälters der Art entdeckt, in der Kohlensäure zur Bereitung von Tafelwasser angeboten wird. Darin könnte sich Sprengstoff befunden haben. Mit Spezialstaubsaugern sicherten Kriminalbeamte Staub an Tür und Rahmen, um im Labor die Art des Sprengstoffs ermitteln zu lassen.

"Er hat keinem Menschen etwas getan''

In dem Wohngebiet leben zahlreiche Ausländer unterschiedlicher Nationalität. Der vor fünf Jahren aus Stuttgart zugezogene Gastwirt ist beliebt. "Ich esse gerne hier, er hat den besten Döner, den ich kenne'', sagte die 23-jährige Ramona Brückmann. "Alkan ist immer lieb und hat keinem Menschen etwas getan.''

Auch der Inhaber des Nachbarlokals, der Bulgare Tentschel Kosradin, kann sich nicht erinnern, dass es jemals Misshelligkeiten gegeben habe. "Wir haben uns immer gut verstanden. Ausländerfeindlichkeit habe ich in Eisenach bisher nicht erlebt,'' sagte er, der seit 26 Jahren in Eisenacher Gastwirtschaften arbeitet.

In der Stadt formiert sich eine überparteiliche "Bürgerinitiative gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit'', seit vor zwei Wochen auf dem Bahnhof zwei afrikanische Asylbewerber misshandelt wurden. Doch während sich Hunderte Eisenacher zu "Null Toleranz gegen Rassisten und Neoanazis'' bekennen, macht auch die rechte Szene mobil. Die Stadtverwaltung hat nach mehreren rechtsextremistischen Zusammenrottungen über 20 junge Leute mit einem Betretungsverbot für das Burschenschaftsdenkmal belegt, das zu einem Treffpunkt der rechten Szene geworden war.

Quelle: RPO Archiv

 
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