Magdeburger Traditionsunternehmen SKL vor der Pleite: IG Metall: EU trieb Firma in die Insolvenz
zuletzt aktualisiert: 19.06.2000 - 17:47Magdeburg (AP). SKL Magdeburg, einst als Schwermaschinenbaukombinat "Karl Liebknecht" einer der größten Maschinenbauer der DDR, ist pleite. Die SKL Motoren- und Systemtechnik GmbH habe Insolvenz beantragt, teilte ein Unternehmenssprecher am Montag mit. Verantwortlich sei dafür die EU-Kommission, die das Unternehmen in die Enge getrieben habe. Wegen des eingeleiteten Hauptprüfverfahrens sei die beabsichtigte Übernahme der SKL durch die Daimler-Chrysler-Tochter MTU aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr möglich.
Die europäischen Wettbewerbshüter prüfen seit zwei Jahren, ob staatliche Beihilfen von rund 50 Millionen Mark für SKL rechtmäßig sind. Neben den 300 Arbeitsplätzen bei SKL sind weitere mehrere hundert im Umfeld gefährdet.
Die IG Metall wirft der Europäischen Union vor, SKL in die Insolvenz getrieben und mehrere hundert Arbeitsplätze in der Region vernichtet zu haben. "Wie soll man Menschen für die Europäische Union begeistern, wenn gegen alle Vernunft arbeitsplatzvernichtende Entscheidungen von praxisfremden EU-Bürokraten in Brüssel getroffen werden?" fragte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Magdeburg, Claus Matecki. Der Gewerkschafter befürchtet eigenen Angaben zufolge Anschlussinsolvenzen.
Indes kündigte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Matthias Gabriel (SPD) die Unterstützung des Landes für SKL an. Sein Ministerium stehe in Verhandlungen mit der Bundesregierung und der MTU Motoren- und Turbinenunion Friedrichshafen GmbH, die SKL übernehmen wolle. Für die Brüsseler Vorgehensweise zeigte Gabriel "kein Verständnis". Vor rund zehn Jahren waren noch 6.000 Mitarbeiter in dem Magdeburger Traditionsunternehmen beschäftigt.
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